Coronavirus - die große Angst vor dem Arztbesuch

Coronavirus - die große Angst vor dem Arztbesuch

  • Behandlung anderer Krankheiten und Verletzungen in Corona-Zeiten
  • Viele Menschen trauen sich nicht zum Arzt oder in Krankenhäuser
  • Kassenärztliche Vereinigung: "Gehen Sie weiterhin zu Ihren Ärzten"

Niedergelassene Ärzte und solche in Notfallambulanzen bemerken derzeit einen alarmierenden Trend. Menschen mit schweren Verletzungen oder Erkrankungen jenseits von Corona kommen nicht mehr zur Behandlung - weil sie Angst haben, sich mit dem Virus anzustecken.

Mit Armbruch zwei Wochen lang zu Hause geblieben

Erschreckende Beispiele führt Dr. Christoph Chylarecki an, Ärztlicher Direktor des Bethanien-Krankenhauses in Moers. "Eine Patientin mit einem komplizierten Oberarmkopfbruch hat zwei Wochen zu Hause gewartet mit der Begründung, im Krankenhaus gebe es nur Patienten mit Corona", sagte er dem WDR am Mittwoch (08.04.2020). "Wir waren gezwungen, der Patientin ein künstliches Gelenk einzusetzen."

Ein anderer Patient mit einem Sprunggelenkbruch habe eine Woche gewartet, ehe er ins Krankenhaus kam. Weniger dramatisch sei die Lage bei internistischen Patienten: "Aber es ist davon auszugehen, dass auch von diesen ein Teil zu Hause bleibt", so Chylarecki weiter.

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat von dieser Entwicklung Notiz genommen. "Praxen und Notfallambulanzen verzeichnen einen deutlichen Rückgang von Patienten mit Schlaganfall- oder Herzinfarktsymptomen", berichtete der Stellvertretende KBV-Vorsitzende Dr. Stephan Hofmeister am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz.

Für Hofmeister ist diese Tendenz fatal: "Wir haben einige wenige tausend Infizierte und Erkrankte an Corona, aber wir haben viele hunderttausende Menschen mit schweren chronischen Krankheiten, die dringend auch weiterhin in ärztliche Behandlung gehören."

Corona-Angst: Patienten sagen Arzttermine ab Servicezeit 08.04.2020 04:48 Min. Verfügbar bis 08.04.2021 WDR Von Cengiz Ünal

Strikte Trennung

Die Angst der Patienten, sich mit dem Coronavirus anzustecken, ist nachvollziehbar, aber augenscheinlich unbegründet. Denn sowohl in Arztpraxen als auch in Krankenhäusern werden Corona-Patienten und solche mit "normalen" Erkrankungen strikt voneinander getrennt.

"Getrennte Versorgung dient dazu, dass wir nicht die vielen Millionen Patienten, die jeden Tag wegen anderer Dinge in die Praxen kommen, gefährden, sich mit Corona zu infizieren und bei den Risikogruppen sogar in Lebensgefahr zu bringen", sagte KBV-Vizechef Hofmeister dazu.

Auch der Ärztliche Dirtektor des Bethanien-Krankenhauses in Moers betont, dass man sich auf diesen Zustand vorbereitet habe und diese beiden Patientengruppen streng voneinander trenne.

KBV-Appell: "Gehen Sie weiterhin zu Ihren Ärzten"

Die KBV appelliert an die Menschen, weiterhin ihre Ärzte aufzusuchen: "Es darf nicht sein, dass am Ende Menschen deshalb sterben, weil sie wegen des Coronavirus nicht mehr in medizinische Behandlung gehen."

Stand: 08.04.2020, 20:17

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