Laschets Absturz: Die Macht der Bilder

Laschets Absturz: Die Macht der Bilder

Die CDU hat ein Problem - und das heißt Armin Laschet. Der Kanzlerkandidat habe in den vergangenen Wochen "desaströse" Bilder geliefert, sagt Politologe Albrecht von Lucke in der "Aktuellen Stunde". Eine Analyse.

Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) bekommt die Folgen von Pannen im Wahlkampf zu spüren: Im ARD-Deutschlandtrend büßte er im Vergleich zum Vormonat acht Prozentpunkte ein und liegt nun mit 20 Prozent deutlich hinter SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz (plus sechs Punkte auf 35 Prozent). Laschet habe die falschen Bilder geliefert, sagt Politikwissenschaftler Albrecht von Lucke in der "Aktuellen Stunde" im WDR.

WDR: Herr von Lucke, ein schwarzer Tag für die CDU? Oder nur eine Momentaufnahme?

Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, lacht während Bundespräsident Steinmeier (nicht im Bild) ein Pressestatement gibt.

Ein Lachen, das vieles verändert

Albrecht von Lucke: Es ist ein pechschwarzer Tag für die Union. Denn das ist die Bilanz eines Monats, der desaströser für die Union nicht hätte sein können. Das Lachen Armin Laschets in der Flut war desaströs. Ein Absturz in der Wählergunst um so viele Prozentzahlen ist weit mehr als eine Momentaufnahme.

Es ist ein Fazit der Bürgerinnen und Bürger, die mit dem Lachen auch den lachenden Laschet, den jovialen Laschet der Corona-Krise wieder hervorgeholt haben, der eben nicht als krisentauglich, schon gar nicht als krisenfest - und auch nicht als ernsthaft genug wahrgenommen wird.

WDR: Da sieht man die Macht der Bilder. Ist das CDU-Team nicht richtig aufgestellt? Man kann sich kaum vorstellen, dass Söder so etwas passieren würde.

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD,  im Hochwassergebiet in Bad Neuenahr

Krisenfest: Olaf Scholz

von Lucke: In jeder Hinsicht. Es gibt ja auch Erhebungen, die zeigen, dass Söder ganz klar führen würde im Ranking der drei Spitzenkandidaten, Scholz inbegriffen. Die CDU/CSU würde unangefochten vorne liegen. Aber wir müssen gar nicht so weit greifen: Auch der Auftritt von Angela Merkel, auch von Malu Dreyer oder Olaf Scholz - er war im Vergleich zu Laschet krisenfest.

WDR: Olaf Scholz hat in dieser Woche den Satz im Hochwassergebiet geliefert: "Was man mit Geld in Ordnung bringen kann, werden wir in Ordnung bringen." Plötzlich läuft's, niemand hätte auf ihn gewettet.

Hochwasser-gebiet: Armin Laschet in Swisttal

Wütende Bürger, defensiver Kandidat

von Lucke: Olaf Scholz wird weiter kein charismatischer Politiker sein. Aber: Allein die Fehlerfreiheit, allein dass er als Bundespolitiker auf die weitaus bessere Karte im Flut-Wahlkampf setzen konnte, hat geholfen. Laschet wurde bei seinem Besuch im Hochwassergebiet regelrecht ausgebuht. Am nächsten Tag kam Olaf Scholz und hatte Glück: Er konnte die großen Spendierhosen auspacken, war aber auch gleichzeitig weit souveräner. Das zeigt, dass das Rennen wieder offen ist.

Die Zahlen sind für die SPD vor allem in einer Hinsicht hoffnungsvoll: Sie haben Augenhöhe mit den Grünen. Die Schwäche von Annalena Baerbock zieht die SPD gegenwärtig nach oben. Die ganz große Frage wird sein: Gelingt es der SPD noch an den Grünen vorbeizuziehen? Dann könnte am Ende eine Ampel herauskommen. Das wäre schon eine ganz erstaunliche Volte. Am Anfang hätte niemand einen Pfifferling auf Olaf Scholz gegeben.

Das Interview führte Michael Dietz, "Aktuelle Stunde"

Das Gespräch wurde für die Online-Version sprachlich bearbeitet und gekürzt.

Stand: 06.08.2021, 09:55

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