Lesen und Schreiben fällt vielen schwer

Analphabetismus: Heute unmöglich? Lokalzeit OWL 01.03.2019 05:49 Min. Verfügbar bis 01.03.2020 WDR Von Raphael Vasquez

Lesen und Schreiben fällt vielen schwer

  • Rund 1,36 Millionen funktionale Analphabeten in NRW
  • Bundesverband kritisiert Landesregierung
  • Im Bundesländervergleich im Hintertreffen

Sie können ihren Namen schreiben, aber keine zusammenhängenden Texte verstehen: Etwa für jeden achten Erwachsenen in Nordrhein-Westfalen sind alltägliche Dinge wie Bedienungsanleitungen, Automaten und Fahrpläne eine Herausforderung.

Insgesamt gibt es in NRW rund 1,36 Millionen solcher funktionalen Analphabeten, schätzt der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung. Experten sprechen dabei auch von "geringer Literalität". Die Autoren der LEO-Studio, aus der die bundesweiten Daten stammen, raten von der Verwendung des Begriffs "funktionaler Analphabetismus" ab, da er aus ihrer Sicht stigmatisierend und ungeeignet ist.

Kritik an Landesregierung

Die Zahlen - für den Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung sei ein "unhaltbarer Zustand", sagt Tim Henning von dem Verband. Seine Forderung: Die schwarz-gelbe Landesregierung müsse für flächendeckende und kostenfreie Grundbildungskurse sorgen. Außerdem sollten die Strukturen dieser Bildungsarbeit insgesamt verbessert werden.

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Zahl insgesamt rückläufig

Die Landesregierung müsse "wesentlich mehr Mittel bereitstellen, um im Bundesländervergleich nicht den Anschluss im Bereich der nachholenden Grundbildungsarbeit zu verlieren", sagte Henning.

Insgesamt sei die Zahl der funktionalen Analphabeten in NRW aber zurückgegangen - 2010 waren es laut Schätzungen noch 1,63 Millionen Menschen. Dies spreche dafür, dass das Schulsystem leistungsfähiger geworden sei, so Henning.

Überwiegend Muttersprache Deutsch

Abgeleitet haben die Experten die Schätzungen für NRW aus der kürzlich veröffentlichten LEO-Studie, wonach bundesweit 6,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren nur über geringe Lese- und Schreibfähigkeiten verfügen.

Von den Betroffenen hätten mehr als die Hälfte (52,6 Prozent) als Muttersprache Deutsch.

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3,7 Millionen Euro für Deutschkurse

Nach Angaben des NRW-Wissenschaftsministeriums bekommen Volkshochschulen und andere Einrichtungen jährlich insgesamt 3,7 Millionen Euro für zusätzliche Deutschkurse. Darin enthalten seien auch Alphabetisierungs- und Grundbildungskurse. Für NRW existierten nach Angaben des Ministeriums "keine verlässlichen Zahlen" zum Analphabetismus.

Am Sonntag (08.09.2019) wird der Weltalphabetisierungstag begangen. Weltweit gibt es nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 750 Millionen Analphabeten.

Stand: 08.09.2019, 11:55

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