Brennender Amazonas: Trägt Europa eine Mitschuld?

Freihandel gegen Klimaschutz: Das Mercosur-Handelsabkommen der EU Monitor 08.08.2019 10:06 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Elke Brandstätter, Achim Pollmeier, Madé Mendonca

Brennender Amazonas: Trägt Europa eine Mitschuld?

  • Mehr Waldbrände in Brasilien
  • Brandstiftung für Landwirtschaft
  • Fragen und Antworten

Mehrere EU-Länder wie Irland und Frankreich drohen damit, das große Freihandelsabkommen der EU mit vier südamerikanischen Staaten, Mercosur, vorerst zu blockieren. Hintergrund sind die verheerenden Waldbrände im brasilianischen Amazonas-Gebiet. Deutschland will bisher an dem Abkommen, das erst Ende Juni nach jahrzehntelangen Verhandlungen erzielt wurde, festhalten. Hängen die Brände wirklich mit dem internationalen Freihandel zusammen? Fragen und Antworten.

Wer profitiert von den Waldbränden in Brasilien?

Laut dem brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE gab es in Brasilien seit Jahresbeginn bereits mehr als 75.000 Waldbrände - das ist ein Zuwachs von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Als Verantwortliche gelten vor allem Landwirte, die mit Brandrodungen im Regenwaldgebiet neue Flächen für Ackerbau und Viehwirtschaft erschließen: Sie wollen so ihre Produktion massiv steigern. Bei einem "Tag des Feuers" vor einer Woche sollen Farmer Medienberichten zufolge sogar ganz offen und in einer koordinierten Aktion große Flächen in Brand gesteckt haben.

Der Amazonas brennt

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 24.08.2019 03:31 Min. Verfügbar bis 23.08.2020 WDR 5

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Was hat das Mercosur-Freihandelsabkommen damit zu tun?

Das Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay sieht vor, dass bei Importen aus der EU künftig die zurzeit noch hohen Zölle wegfallen - zum Beispiel bei Autos und Chemikalien. Im Gegenzug will die EU zollfreie Importe für viele Agrarprodukte zulassen: für Rindfleisch und Soja zum Beispiel. Die südamerikanischen Landwirtschaftskonzerne hoffen in den kommenden Jahren auf eine Vervielfachung ihrer Lebensmittelexporte, die aber nur mit noch größeren Anbaugebieten realisiert werden können.

Für die Umwelt und das Klima bedeutet das eine doppelte Belastung: Einerseits durch den Raubbau an der "grünen Lunge" des Planeten - dem Regenwald im Amazonas. Andererseits durch eine Ausweitung der Fleischproduktion, die für einen großen Teil des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich ist.

Was kann man in Deutschland und Europa dagegen tun?

Einmal können die EU-Staaten gegenüber Brasilien die Einhaltung der vereinbarten Umweltschutz-Verpflichtungen einfordern: Der Schutz des Regenwalds war Bestandteil des Handelsvertrages. Nach Ansicht von Wissenschaftlern und Umweltschützern müssen aber vor allem die hiesigen Konsumenten ihren Fleischkonsum überdenken.

Der Klimaforscher Richard Fuchs vom Karlsruher Institut für Technologie plädiert dafür, die Verbraucher zur Kasse zu bitten. "Die EU-Staaten könnten Fleisch von Tieren, die mit Soja aus Regenwaldgebieten gemästet werden, pauschal besteuern. Damit würden die ökologischen Folgekosten mit eingepreist."

Brasilien - Angriff auf den Regenwald

WDR 5 Mittagsecho 29.07.2019 03:27 Min. Verfügbar bis 28.07.2020 WDR 5 Von Ivo Stephan Marusczyk

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Stand: 24.08.2019, 12:16

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