25 Jahre Amazon – die Schattenseiten des Weltkonzerns

Ein Mann trägt ein großes Paket durch ein Verteillager.

25 Jahre Amazon – die Schattenseiten des Weltkonzerns

  • Sozialwissenschaftler rechnet mit deutlich weniger Mitarbeitern
  • Ersetzen Roboter die Angestellten in NRW?
  • Gewerkschaften kommen bei Tarifverhandlungen nicht voran

Tausende Menschen in NRW arbeiten an den Konzernstandorten in Mönchengladbach, Werne, Rheinberg, Dortmund, Bochum und Krefeld. In Oelde entsteht gerade das nächste Logistikzentrum. Sie arbeiten bei einem Global Player mit 280 Mrd. US Dollar Umsatz im vergangenen Jahr. Und einer Reichweite in fast jeden Haushalt auf der ganzen Welt.

Doch immer wieder gibt es Kritik an den Arbeitsbedingungen zum Beispiel in den riesigen Logistikzentren. Schichtdienst, kaum Tageslicht, kein Tarifvertrag. Das könnten Gründe sein, warum viele das Unternehmen schnell wieder verlassen. Die Liste mit den Kritikpunkten der Gewerkschaft ver.di am Versandhändler Amazon ist lang.

Sozialwissenschaftler: Roboter werden Mitarbeiter ersetzen

Doch Mitarbeitende könnten in Zukunft eine nicht mehr so große Rolle im Konzern spielen: in den Werken übernehmen zunehmend Roboter die Arbeit. Der Sozialwissenschaftler Stefan Sell von der Hochschule Koblenz sagte dem WDR, "Amazon wird die Mitarbeiter Schritt für Schritt durch Automatisierung ersetzen".

Vor allem in den Logistikzentren seien die ersten Maschinen schon im Einsatz, so Sell. Auseinandersetzungen mit unzufriedenen Mitarbeitern und lästigen Gewerkschaften erledigen sich so. "Die Roboter sind derzeit noch teurer als die Personalkosten. Aber viele Mitarbeiter kündigen bei Amazon recht schnell wieder. Das Problem gibt es mit Robotern nicht", so Sell.

Amazon äußert sich zu Bruttolöhnen

Amazon-Sprecher Thorsten Schwindhammer bezeichnet die Roboter als "Innovationen". Er verweist beim Besuch eines WDR-Reporters im Logistikzentrum Mönchengladbach aber auf Hunderte offene Stellen, für die es faire Löhne gebe. "Nach zwei Jahren erhält eine ungelernte Kraft etwa 2.600 Euro Brutto", erklärt Schwindhammer.

Durch die vielen Standorte in NRW seien auch viele unterschiedliche Tätigkeiten für die Mitarbeitenden möglich. Die Roboter seien eine Hilfe für die Mitarbeitenden, ohne sie ersetzen zu wollen. Dadurch könnten Kundenbestellungen schneller verarbeitet werden. "Leute brauchen wir immer", so Schwindhammer.

Gewerkschaft können sich nicht durchsetzen

Die Gewerkschaft ver.di beißt sich derweil an Amazon die Zähne aus. Ihr Ziel ist ein Tarifvertrag. Doch der ist nicht in Sicht, trotz regelmäßiger Warnstreiks. Dass sich ver.di nicht durchsetzen kann, hat laut Sozialwissenschaftler Sell auch mit der genannten Fluktuation zu tun. Oder anders gesagt: Die Mitarbeitenden schließen mit Amazon schneller ab, als die Gewerkschaft einen Tarifvertrag.

Das Unternehmen geht auf ver.di kaum noch ein. "Im Fokus steht der Kunde", sagt Konzernsprecher Schwindhammer. Damit ist offenbar klar, wer sich unter zu ordnen hat: Einzelhändler, Lieferanten, Gewerkschaften und auch die Mitarbeiter.

Amazon geht online (am 16.07.1995)

WDR 2 Stichtag 16.07.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 14.07.2030 WDR 2


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Stand: 16.07.2020, 20:35

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