Wohin mit all den Altkleidern?

Füße gehen an großem Metallregal mit Altkleidersäcken vorbei.

Wohin mit all den Altkleidern?

Von Katja Goebel

Wenn der Winter naht, misten viele ihre Kleiderschränke aus - und die Klamotten landen im Altkleider-Container. Der Deal mit Secondhand-Textilien ist ein Millionengeschäft.

Jährlich kommt in Deutschland eine Million Tonnen Altkleidung zusammen. Das nutzt Bedürftigen, freut aber auch eine auf Wegwerf-Ware ausgelegt globale Industrie, die Verbraucher täglich mit neuer Billigware füttert. Was können wir tun?

Wo kommen die ganzen Klamotten her?

Mitarbeiter sortieren Altkleider

Eine Flut von Altkleidern überschwemmt mittlerweile den Markt, denn Klamotten sind oft kurzlebige Begleiter. Das hat viel mit unserem Kaufverhalten zu tun, aber auch mit minderwertiger Qualität der Ware. Was wenig kostet, ist auch schneller aussortiert. Wer Billig-Kleidung kauft, muss sich häufig auch schneller trennen - weil der Stoff verblasst, die Form verliert oder nach wenigen Waschgängen fusselt. Und dieser Trend zur Wegwerfware hat längt einen Namen: "Fast Fashion".

Wo gehen die Altkleider hin?

Klamottenspender können ihre getragenen Sachen entweder persönlich bei Sammelstellen vor Ort abgeben oder sie in einen der unzähligen Altkleidercontainer werfen. Angesichts von circa einer Million Tonnen Altkleider, die in Deutschland jedes Jahr aussortiert werden, ist es allerdings völlig unrealistisch zu erwarten, dass die ausrangierte Kleidung ausschließlich sozialen Zwecken in Deutschland zugutekommt.

Überschüsse werden an gewerbliche Textilverwerter verkauft. Auch Kleidung, die in Containern oder über Straßensammlungen zusammenkommt, geht zumeist direkt und unsortiert an Sortierbetriebe im In- und Ausland, erklärt der Dachverband FairWertung e.V. Dort werden alle Textilien per Hand nach ihrer Qualität sortiert.

Frau hinter einem Verkaufsstand mit Kleidung

Gebrauchte Textilien: Verkaufsstand in Kenia

Die gut erhaltenen Sachen werden als Secondhand-Kleidung über verschiedene Vertriebswege zum Beispiel nach Osteuropa, Afrika oder in den Mittleren Osten verkauft. Dort landet die Kleidung über viele Zwischen- und Kleinhändler am Ende in Secondhand-Läden oder auf Marktständen.

Textilien, die sich nicht mehr als Secondhand-Kleidung eignen, gehen nach dem Sortiervorgang an Hersteller von Putzlappen oder werden zum Beispiel zu Dämmstoffen verarbeitet.

Worauf sollten Altkleiderspender achten?

Wer möchte, dass die gebrauchten, aber gut erhaltenen Stücke tatsächlich bei karitativen Organisationen und Bedürftigen landen, sollte einige Tipps beherzigen.

Kleiderberge vor Altkleider-Containern

So bitte nicht: Kleiderberge vor Altkleider-Containern

  • Am Altkleidercontainer oder auf den eingeworfenen Handzetteln im Briefkasten sollten eine Adresse und eine Festnetznummer stehen, rät die Verbraucherzentrale. Jeder potenzielle Spender kann sich so über die Organisation informieren, zum Beispiel wie die Kleider verwertet und wofür Gewinne benutzt werden.
  • Hilfreich ist auch das DZI Spendensiegel, das nur seriöse Organisationen verliehen bekommen. Auch unter dem Dachverband FAIRwertung haben sich gemeinnützige Organisationen zusammengeschlossen.
  • Was bei von Kirchen oder gemeinnützigen Verbänden betriebenen Kleiderkammern vor Ort landet, kommt ebenfalls Bedürftigen zugute. In Kleiderkammern oder Sozialkaufhäusern wird die gespendete Kleidung dann kostenlos oder sehr preisgünstig angeboten. Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz beklagen allerdings, dass sich die Qualität der Altkleider in den letzten Jahren stetig verschlechtere und auch immer wieder Müll in den Altkleidercontainern lande.
  • Unbrauchbares wie kaputte Hosen, zerschlissene Blusen oder löchrige Pullover gehören nicht in den Altkleidercontainer. Sie müssen im Restmüll entsorgt oder bei Recylinghöfen abgegeben werden. Letzteres kann aber eine Gebühr kosten.

Was tun gegen die Kleiderflut im Schrank?

Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie wollen unbedingt Klamotten shoppen, weil sie angeblich nichts Passendes mehr im Kleiderschrank haben. Doch so manches scheinbar dringend benötigte Teil hängt dann Jahre fast ungetragen auf dem Kleiderbügel. Manchmal baumelt sogar noch ein Etikett dran. Mit dieser Marotte sind Sie nicht allein.

Laut Bundesumweltministerium kaufen Verbraucher im Schnitt 60 neue Kleidungsstücke im Jahr. Jedes fünfte davon werde so gut wie nie getragen. Das macht am Ende Milliarden Kleidungsstücke, die nahezu ungenutzt nur für den Schrank produziert werden.

Und der ewig hungrige Markt wird zugleich pausenlos weiter bedient. Die Kehrseite dieser Überproduktion: Ressourcenschädliche Herstellung, der häufige Gebrauch von giftigen Chemikalien, lange Transportwege aus Billiglohnländern.

Frau näht Schild in eine Jeans

Näherin in einem indischen Slum

Denn die Produktion von Kleidung verbraucht viel Wasser. Um ein Kilogramm Baumwolle zu gewinnen, werden circa 200 Badewannen voll Wasser benötigt, rechnet das Bundesumweltamt vor. Zum Färben, Drucken und Waschen von Textilien werden Hunderte gefährliche Chemikalien eingesetzt. Wer das im Kopf hat, wird sich vielleicht den ein oder anderen Frustkauf verkneifen.

Wo gibt es gute Secondhand-Klamotten?

Ein anderer nachhaltiger Trend: Secondhand-Mode kaufen. Es gibt etliche Möglichkeiten im Netz - von Kleinanzeigen, Online-Flohmärkten oder Plattformen wie Vinted, ehemals Kleiderkreisel -, auf denen Privatpersonen gut erhaltene Kleidungsstücke anbieten. Allein bei Vinted sind nach Unternehmensangaben über 8 Millionen Nutzer nur in Deutschland registriert.

Schuhe in einem Second-Hand-Laden

Nachhaltig: Mode aus dem Second-Hand-Laden

Es gibt Shops und Läden, die sich auf Markenklamotten oder Designerware aus zweiter Hand spezialisiert haben. Und auch karitative Verbände wie das Deutsche Rote Kreuz haben längst eigene Kleiderläden. Vielen Kunden geht es neben dem günstigen Preis vor allem um Nachhaltigkeit. Und die Kundschaft wird immer jünger.

Stand: 31.10.2021, 06:00

Weitere Themen

Aktuelle TV-Sendungen