Impfzentrum schwer erreichbar? Hilfen für Ältere

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Impfzentrum schwer erreichbar? Hilfen für Ältere

Von Maya Graef

Ab Februar sollen in NRW die ersten Impfzentren öffnen. Als erstes sollen dort Menschen über 80 Jahre geimpft werden. Doch gerade diese Gruppe ist oft nicht mehr mobil. Besonders schwer haben es Ältere in ländlichen Gebieten.

Viele ältere Menschen, die sich gegen das Coronavirus impfen lassen möchten, beschäftigt gerade die Frage: Wie komme ich an die Impfung? Der Weg in ein Impfzentrum in der Stadt ist im hohen Alter oft schon nicht leicht. Wenn er überhaupt noch möglich ist. Noch schwerer haben es allerdings Seniorinnen und Senioren auf dem Land fernab der Großstadt.

Senioren auf dem Land müssen warten

Kilometerlange Anfahrten, schlechte Bus- und Bahnverbindungen, der eigene Körper schwach und gebrechlich, Kinder und Enkel weit weg - alles Hürden, die ein älterer Mensch auf dem Land mitunter bewältigen muss, wenn er geimpft werden will. Zwar gibt es mobile Impfteams, die solche Betroffenen zu Hause impfen sollen, doch Priorität haben erst einmal Menschen in Alten- und Pflegeheimen. Alle anderen in dieser Hochrisikogruppe müssen sich hinten anstellen.

Erste Städte und Kreise organisieren Hilfe

Die Stadt Dormagen im Rhein-Kreis Neuss hat heute eine Hilfsaktion für Menschen über 80 Jahre gestartet. Sie können sich ab sofort bei der Stadt melden, wenn sie Hilfe auf dem Weg zur Corona-Schutzimpfung brauchen. Die Stadt organisiert dann den Transport zum Impfzentrum, inklusive kostenloser FFP2-Maske.

Im Kreis Kleve sieht die Hilfe so aus: Wer zum Beispiel in Kerken wohnt und zum Impfzentrum nach Kalkar will, muss rund 40 Kilometer fahren. Über 80-Jährige sollen deshalb Hilfe über eine Mitfahrbörse bekommen. Freiwillige fahren die Senioren zur Impfung und zurück.

Im benachbarten Kreis Wesel würde man gerne ein zweites Impfzentrum einrichten. Für die Menschen, die linksrheinisch wohnen. Die Stadt Kamp-Lintfort hat angeboten, ein Zentrum in einem ehemaligen Bürogebäude oder in einem alten Bahndepot zu errichten. Kamp-Lintforts Bürgermeister Christoph Landscheidt sagt: "Ich will Risikopatienten nicht mit Bus und Bahn durch den ganzen Kreis Wesel schicken und einer Infektionsgefahr aussetzen."

Doch das NRW-Gesundheitsministerium lehnt diese Idee bisher ab. In einer schriftlichen Erklärung heißt es dazu: "Die Kostenzusage des Landes bezieht sich zunächst auf ausschließlich ein Impfzentrum pro Gebietskörperschaft. Sobald in Zukunft mehr Impfstoff zur Verfügung steht, können Erweiterungen durchaus sinnvoll sein."

Kreis Euskirchen räumt schlechte Lage ei

Auch im Kreis Euskirchen gibt es Kritik an zu weiten Wegen für ältere Menschen. Das Impfzentrum in Nettersheim-Marmagen ist vielen zu abgelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schlecht erreichbar.

Der Landrat sagte, dass die ehemalige Klinik als Impfzentrum ideale Voraussetzungen biete. Er präzisierte später, man wisse um die schwierige Erreichbarkeit. Bei einem so großen Flächenkreis wie Euskirchen sei es unvermeidbar, dass einige Bürger längere Anfahrtswege hätten, so Markus Ramers. Vom Bahnhof Nettersheim werde ein Shuttle-Bus angeboten.

Corona-Impfung: "Wie erreichen wir die älteren Menschen?"

WDR 5 Morgenecho - Interview 17.12.2020 05:31 Min. Verfügbar bis 17.12.2021 WDR 5


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Stand: 15.01.2021, 21:23

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