Pflege für alternde Migranten

Seniorin und Altenpflegerin sitzen gemeinsam auf einem Sofa

Pflege für alternde Migranten

Von Nina Magoley

  • Ehemalige Gastarbeiter werden alt - und teils pflegebedürftig
  • Altenheime für Migranten bisher rar
  • Politik sieht jetzt Handlungsbedarf

Für Maria Hanisch gehört der Umgang mit älteren Menschen mit Migrationshintergrund längst zum Alltag: Seit Jahrzehnten arbeitet sie in der Altenpflege der Caritas in Köln.

Ausgewiesene Seniorenheime für Migranten gibt es nur zwei in NRW: in Köln und in Duisburg. Dabei steigt die Zahl der Menschen, die in der ersten Generation nach Deutschland kamen und nun alt und auf Hilfe angewiesen sind.

Hemmschwelle ist hoch

Die Hemmschwelle, Angehörige in ein Altenheim zu geben, sei besonders in muslimischen Migrantenfamilien noch sehr hoch, sagt Hanisch: "Der Koran fordert, dass Alte und behinderte von der Familie gepflegt werden." Doch die Lebenswirklichkeit der Verwandten in der zweiten und dritten Generation lasse das oft genauso wenig zu wie in vielen deutschstämmigen Familien.

Pflege für alternde Migranten

WDR 5 Westblick - aktuell | 09.01.2019 | 04:38 Min.

Download

Trotzdem können sich einer Studie zufolge nur rund ein Drittel der befragten Muslime in Deutschland vorstellen, einen pflegebedürftigen Angehörigen ins Seniorenheim zu geben. 91 Prozent möchten ihre Verwandten am liebsten zuhause pflegen, mit Unterstützung durch ambulante Pflegekräfte.

Für den ambulanten Pflegedienst ist das eine besondere Aufgabe, sagt Maria Hanisch: "Schon bei der Ankunft muss ich mich fragen, ob ich die Wohnung mit Schuhen betreten darf oder ob ich sie besser ausziehe." Darf ein männlicher Pfleger mit einer Frau alleine im Raum bleiben? Viele solcher Aspekte gelte es zu berücksichtigen - "man muss sensibel sein".

Multinationales Pflegeteam

Sie selber habe sich intensiv mit dem Koran beschäftigt, um herauszufinden, was muslimischen Kunden wichtig ist. 40 muslimische Pflegekräfte beschäftigt der Caritas-Pflegedienst in Köln mittlerweile, auch polnische Mitarbeiter gehören zum multinationalen Team.

Auch die AWO in NRW bietet ein Konzept zur "Interkulturellen Öffnung" der Altenpflege - von Seniorenbegegnungsstätten bis zur Sterbebegleitung.

Muslime im Alter: Bloß keinen Waschlappen!

Serap Güler

Serap Güler, Staatssekretärin für Integration

"Kultursensible Pflege" müsse in den Lehrplan des Landes zur Pflegeausbildung aufgenommen werden, fordert die SPD-Fraktion im Landtag. Außerdem soll es mehr niedrigschwellige, muttersprachliche Beratungsangebote zur Altenpflege geben.

Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) hat gemeinsam mit seiner Staatssekretärin Serap Güler (CDU) kürzlich das Altersheim für Migranten in Köln besucht. "Die Warteliste dort ist unendlich lang", stellt Güler fest, "wir müssen da mehr machen".

Dem konnte am Mittwoch (09.01.2019) im Integrationsausschuss im Landtag parteiübergreifend niemand widersprechen. Der Ausschuss beschloss einhellig eine Expertenanhörung.

Stand: 09.01.2019, 16:45

Aktuelle TV-Sendungen