Algorithmen: Machen soziale Medien dumm?

Schüler am Computer

Algorithmen: Machen soziale Medien dumm?

  • Tagung der Landesanstalt für Medien NRW zu Algorithmen
  • Interview mit dem Referenten Matthias Spielkamp
  • Er fordert eine demokratische Kontrolle von Algorithmen

Am Mittwoch (20.06.2018) findet in Köln eine Veranstaltung der Landesanstalt für Medien NRW zum Thema Algorithmen statt. Ein Referent ist der Bürgerrechtsaktivist Matthias Spielkamp. Er ist Gründungsmitglied der Initiative Algorithmwatch.

WDR: Immer mehr vom immer Gleichen, so funktionieren die Algorithmen von Facebook und Co. Machen soziale Medien dumm?

Matthias Spielkamp

Matthias Spielkamp

Matthias Spielkamp: Viel von der Automatisierung trägt zwar dazu bei, dass man Dinge angezeigt bekommt, die darauf optimiert sind, dass die Menschen so lange wie möglich auf der Plattform bleiben. Sie sollen möglichst viel Werbung sehen. Das kann dazu führen, dass besonders sensationalistische Nachrichten nach oben gerankt werden, sogar wenn sie falsch sind, und man damit viel Zeit verbringt.

Aber auf der anderen Seite haben Plattformen wie Facebook oder Youtube dazu geführt, dass wir eine Auswahl an Informationen haben, wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

WDR: Sollte es ein Recht auf Offenlegung von Algorithmen geben?

Spielkamp: In einem gewissen Grad schon. Aber hier wird häufig übertrieben. Denn wir müssen nicht unbedingt den Algorithmus kennen, um zu verstehen, wie die Auswahl funktioniert. Man kann auch die Logik eines solchen Systems erklären.

Und selbst wenn wir den Code hätten, heißt das noch lange nicht, dass wir auch über die Funktionsweise des ganzen Systems Bescheid wüssten. Denn die Daten spielen eine wichtige Rolle, die verändern sich ständig. Wir haben eine viel größere Herausforderung als nur zu sagen: Legt den Code offen!

WDR: Sie fordern eine demokratische Kontrolle der Algorithmen. Wie kann die aussehen?

Spielkamp: Da gibt es unterschiedliche Ideen und manches wird auch schon gemacht: Es gibt Gesetze, die unterwerfen zum Beispiel den algorithmisch gesteuerten Hochfrequenzhandel einer Kontrolle durch Aufsichtsbehörden.

Ein weiteres Beispiel ist das automatisierte Fahren, wo auch Algorithmen greifen. Da gibt es einen Gesetzesentwurf, der festlegen will, wie das auszugestalten ist und wer am Ende die Verantwortung übernehmen muss.

Eine weitere denkbare Maßnahme: Man kann die Anbieter zu Selbstverpflichtungen anregen.

WDR: Lassen sich Algorithmen auch einsetzen, um die Vielfalt zu fördern?

Spielkamp: Auf jeden Fall. Es kommt immer darauf an, wofür wir das Ganze nutzen wollen und wer es wie programmiert. Denn die Verantwortung für das, was da passiert, liegt bei den Menschen, die diese Systeme anbieten.

Das Gespräch führte Sabine Tenta.

Stand: 20.06.2018, 06:00

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