Letzte Evakuierungsflüge der Bundeswehr - Ahmad J. noch nicht gerettet

Letzte Evakuierungsflüge der Bundeswehr - Ahmad J. noch nicht gerettet

Von Cosima Gill und Jörn Seidel

Mit einem der letzten Evakuierungsflüge der Bundeswehr wurden am Donnerstag 154 Menschen aus Afghanistan gerettet. Viele Ortskräfte warten noch darauf - auch Ahmad J.

Die Lage in Kabul spitzt sich nochmals zu. Laut Bundeswehr landete um 11.04 Uhr deutscher Zeit im usbekischen Taschkent eine weitere A400M-Maschine aus Afghanistans Hauptstadt Kabul. Nach ARD-Informationen war es eine der letzten Bundeswehr-Maschinen, die schwerpunktmäßig Schutzbedürftige aus Kabul ausfliegen.

Bundeswehr-Flugzeug mit 154 Schutzbedürftigen gelandet

An Bord des Flugzeugs seien 154 Schutzbedürftige gewesen, twitterte das Einsatzkommando der Bundeswehr. Im Laufe des Tages sind nach ARD-Informationen drei weitere Flüge geplant. Mit ihnen sollen offenbar vorrangig Einsatzkräfte der Bundeswehr aus Kabul herausgebracht und eventuell nur noch einzelne "Härtefälle" an Bord genommen werden.

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Ortskraft Ahmad J. konnte nicht mitfliegen

Zahlreiche ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr müssen nun darauf hoffen, dass sie Afghanistan auch dann noch verlassen dürfen, wenn die Luftbrücke beendet ist. Dazu gehört auch Ahmad J. - er sei mit seiner Frau und den Kindern immer noch in Afghanistan, wie er dem WDR am Donnerstagvormittag per Textnachricht schrieb.

Ahmad J. ist verpixelt zu sehen, er will seine Identität schützen.

Ahmad J. in Kabul

Ahmad J. und seine Familie gehören zu den vielen Menschen, die sich derzeit vor den Taliban verstecken. Mehrere Jahre lang habe er für die Bundeswehr gearbeitet, wie er sagt. Von der bekam er vor wenigen Tagen eine E-Mail mit der Nachricht, dass er zum Flughafen kommen solle, damit man ihn und seine Familie außer Landes bringe.

Vor dem Flughafen zurückgedrängt

Am Flughafen Kabul sei er dann jedoch zurückgewiesen worden, berichtete Ahmad J. Ein Bundeswehrsoldat habe ihn und seine Familie nicht durchgelassen. "Er hat eine Liste von vier, fünf Seiten geöffnet. Er ist die Liste so schnell durchgegangen, dass er gar nicht alle Namen lesen konnte. Er sagte: 'Gehen Sie weg!'"

Später habe er eine neue Nachricht der Bundeswehr bekommen: Es seien Fehler passiert, er solle wieder zum Flughafen kommen. Der 28-Jährige sah aber keine Möglichkeit mehr, zum Flughafen durchzukommen.

Ahmah J. hat kaum noch Hoffnung, ausgeflogen zu werden. "Ich frage mich nur, wie sie mich umbringen werden", wie er sagte. "Werden sie mich erschießen, erstechen oder verhungern lassen? Ich bin nur sicher, es wird geschehen."

Obaidullah F. und Familie in Usbekistan

Aylin ist verschleiert auf einem Smartphone Display zu sehen.

Aylin in Kabul

Mehr Glück hatten Obaidullah F., seine Frau Aylin und sein Sohn. Wie F. dem WDR berichtete, wohne er mit seiner Familie in München, wo er als Gynäkologe arbeite. Monatelang sei er nun in Afghanistan tätig gewesen. Nach der Machtübernahme der Taliban wollte auch er zurück nach Deutschland.

Am Donnerstagmorgen um 9.31 Uhr, also elf Minuten bevor in Kabul eine der letzten Bundeswehr-Maschinen startete, die schwerpunktmäßig Schutzbedürftige ausfliegt, schickte Obaidullah F. dem WDR noch eine Sprachnachricht. Später meldete sich ein Freund, der glaubte, Obaidullah F. sei auf dem Weg nach Deutschland. Inzwischen ist klar, dass er und seine Familie nach Usbekistan ausgeflogen worden sind.

Am Morgen hätten die Taliban zwei Männer mitgenommen

Vor Kurzem habe er der Deutschen Botschaft eine Liste mit den Namen von 14 Menschen zukommen lassen, damit auch sie gerettet werden, so Obaidullah F. Am Donnerstagmorgen habe er nun miterleben müssen, wie zwei der Männer, die auf seiner Liste stehen, von den Taliban abgeholt worden seien.

"Ich stecke in dem schlimmsten Alptraum, den ich jemals erlebt habe", sagte er. "Das Traurige ist: Ein Alptraum nimmt irgendwann ein Ende. Aber das ist ein Schrecken ohne Ende."

"Die Leute haben keine Möglichkeit, sich zu verteidigen. Es werden alle sterben", so Obaidullah F. "Bitte helfen Sie uns! Bitte, bitte helfen sie uns!"

Stand: 26.08.2021, 16:18

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