Zurückgelassene in Kabul: Große Angst vor den Taliban

Zurückgelassene in Kabul: Große Angst vor den Taliban

Westliche Soldaten haben Kabul verlassen. Doch alleine Deutschland rechnet mit bis zu 40.000 afghanischen Ortskräften samt Angehörigen, die noch dort sind. Einer von ihnen ist Ahmad J.

Ahmad J. hatte jahrelang für die Bundeswehr als Journalist gearbeitet. Als sich die Lage in Afghanistan zuspitzte, bekam er eine Ausreisezusage. Trotzdem steckt er mit seiner Frau und seinen beiden Kindern, sieben Monate und drei Jahre alt, noch in Kabul fest. "Ich habe große Angst vor den Talilban", sagte er dem WDR. Er fürchtet um sein Leben und das seiner Familie und dass die Taliban ihre Strategie ändern und wieder gewalttätiger werden.

Ahmad J. ist verpixelt zu sehen, er will seine Identität schützen.

Ahmad J.

Einen Schreckmoment erlebte er in der vergangenen Nacht. "Gegen Mitternacht hörte ich eine Schießerei. Ich hatte große Angst, dass sich terroristische Gruppen gegenseitig bekämpfen würden, weil ja jetzt auch die Amerikaner abziehen. Glücklicherweise habe ich dann in den sozialen Medien erfahren, dass da nur eine Party gefeiert wurde", teilte er dem WDR am Dienstag in einer Sprachnachricht mit.

"Man erkennt mich am Gang"

In großer Sorge ist auch die Nachhilfelehrerin Meral. Ihr Schüler war in den Ferien mit seinem Vater zu einer Hochzeit nach Afghanistan geflogen. Jetzt verstecken sich die beiden vor den Taliban. "Sie befinden sich in Lebensgefahr, wir können nicht helfen", sagt sie.

Kontakt zu halten, ist schwer, ständig bricht die Verbindung ab. Als sie den Vater endlich erreicht, berichtet er, dass sich beide in einem Haus verstecken. "Ich versuche, so wenig wie möglich rauszugehen. Man erkennt sofort an meinem Gang, dass ich nicht in Afghanistan aufgewachsen bin", sagt der Mann, der namentlich nicht genannt werden will.

Absprachen mit den Taliban nötig

Eine Ausreise per Flugzeug scheint angesichts der aktuellen Lage in Kabul aussichtslos. Bliebe noch der Landweg, etwas über Pakistan, Tadschikistan, oder Usbekistan. Um das zu ermöglichen, ist Außenminister Heiko Maas (SPD) in die Region gereist. Allerdings räumt er ein: "Wir brauchen Absprachen mit den Taliban." In Kürze würden die Taliban eine neue Regierung vorstellen, sagte er am Dienstag in Islamabad.

Und wie diese sich nach dem Abzug der NATO-Kräfte verhalte, sei derzeit unkalkulierbar. Für Ahmad J. und die beiden Besucher aus Deutschland heißt das: Sie müssen sich wohl noch weiter verstecken und hoffen, dass sie irgendwie einen Weg aus dem Land finden.

Stand: 31.08.2021, 17:11

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