Chaos in Afghanistan: Diese Hilfsorganisationen benötigen Unterstützung

Afghanistan, Kandahar: Menschen im Flüchtlingslager Daman in Kandahar, Afghanistan, 05.08.2021

Chaos in Afghanistan: Diese Hilfsorganisationen benötigen Unterstützung

Angesichts der bedrückenden Nachrichten aus Afghanistan kann man sich ziemlich hilflos fühlen. Viele Hilfsorgansiationen waren oder sind in dem Land im Einsatz. Wie kann man jetzt helfen?

Ihr Einsatz war schon lange riskant, stand aber bislang mehr oder weniger unter dem Schutz ausländischer Streitkräfte in Afghanistan: Hilfsorganisationen, deren Mitarbeiter sich jetzt möglicherweise selber retten müssen. Dennoch versuchen einige vor Ort weiter zu helfen. Hier eine Auswahl von Organisationen, die derzeit dringend Unterstützung gebrauchen können:

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Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte

Das Netzwerk wurde 2015 von Bundeswehrsoldaten gegründet, die mal in Afghanistan im Einsatz waren. "Die Ortskräfte haben ihr Leben für die Zusammenarbeit mit den Deutschen Sicherheitskräften riskiert", heißt es auf der Homepage, "wir sind den Menschen gegenüber verantwortlich, die uns in Afghanistan unterstützt, geholfen und vertraut haben". Schirmherr ist zwar der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn - dennoch wird das Netzwerk vollkommen ehrenamtlich und auf Basis von Spenden betrieben.

Menschen auch ganz ohne Bezug zur Bundeswehr kümmern sich hier um die Betreuung von bereits nach Deutschland eingereisten Ortskräften. Beteiligen kann man sich "als Mitglied im Verein, als Pate oder Mentor, als Berater in Ihrem Fachgebiet, als Arbeitgeber und in vielen anderen Bereichen". Auch finanzielle Unterstützung werde für diese Arbeit gebraucht - also Spenden.

Im ARD-Brennpunkt am Sonntagabend hatte der ehemalige Übersetzer Qais Nekzai eindrucksvoll beschrieben, in welcher Situation die verbliebenen Ortskräfte in Kabul derzeit sind. Nekzai hält den Kontakt zu einigen von ihnen, die in einem Safehouse versteckt sind, das das Netzwerk organisiert hat.

Bisher hätten es nur etwa 20 Prozent der für die Bundeswehr tätig gewesenen Ortskräfte nach Deutschland geschafft, sagt der Vorsitzende Marcus Grotian auf WDR-Nachfrage. "Sie werden durch uns auch in der Zukunft unterstützt." Am Montag allerdings klingt Verzweiflung durch seine E-Mail-Zeilen: "Wie wir denen, die in Talibanherrschaft geraten und geraten sind, helfen können, das weiß nur Gott."

Caritas international

Caritas international, das Hilfswerk des Deutschen Caritasverbandes, arbeitet seit Jahren mit lokalen Partnern in Afghanistan. Schwerpunkt waren vor allem Projekte, die Frauen zu Bildung und "Selbstermächtigung" verhelfen sollten, sagt Sprecher Stefan Teplan. Ob diese Gruppen jetzt weiter arbeiten können, sei "die ganz große Frage".

Andere Projekte verteilen Bargeld an Menschen vor allem in ländlichen Regionen, die sich angesichts exorbitant gestiegener Lebensmittelpreise kaum noch Nahrung kaufen könnten. Ernteausfälle durch Trockenheit und Wasserknappheit haben nach Angaben der Caritas dazu geführt, dass 76 Prozent der Afghanen Hunger leiden. Die Corona-Pandemie habe die Lage zusätzlich verschärft, sodass derzeit etwa 60 Prozent der Afghanen unterhalb der Armutsgrenze leben.

Derzeit befinde sich noch ein deutscher Mitarbeiter in Kabul. "Er will eigentlich dort bleiben", sagt Teplan. Ob er dennoch heute oder morgen ausreise, sei noch nicht klar, "die Lage ist chaotisch".

Für Frauen und Mädchen: "Medica Mondiale"

Zusätzlich gefährdet sind derzeit offenbar viele Frauen und Mädchen in Afghanistan, die sich dort bisher für Frauenrechte eingesetzt haben. Monika Hauser, Vorsitzende des Kölner Vereins Medica Mondiale, erklärte am Sonntag in einem Statement, dass diese Frauen jetzt in ihrem Leben bedroht seien und ebenfalls evakuiert werden müssten.

Der Frauenrechtsverein unterstützt seit 20 Jahren eine lokale Partnerorganisation mit 90 Mitarbeiterinnen. Sie befänden sich derzeit mit ihren etwa 300 Familienangehörigen in Kabul, so Hauser. Die Bundesregierung habe diese Frauenrechtsaktivistinnen 20 Jahre lang gefördert, "sie ermutigt, öffentlich für Frauenrechte einzustehen, und sich ihre Erfolge auf die Fahnen geschrieben". Dementsprechend trage Deutschland jetzt Verantwortung für ihre Sicherheit.

"Afghanische Kinderhilfe Deutschland"

Die "Afghanische Kinderhilfe Deutschland" mit Sitz in Düsseldorf betreibt zwei Tageskliniken und eine Schule in und um Kabul. Man wolle am Dienstag versuchen, wieder zu öffnen, sagt der Vorsitzende Naim Ziayee. Finanziert werden alle drei von Spendengeldern aus Deutschland. "Wir wollen versuchen, den Taliban vor Ort zu erklären, dass das rein humanitäre Spenden sind, nicht politisch motiviert", sagt Ziayee mit vager Hoffnung. Leiterin der Schule und eines der Krankenhäuser ist eine Frau. Die Gespräche mit den Taliban soll erstmal ihr männlicher Kollege führen.

Die beiden Krankenhäuser versorgen unterdessen Menschen aus dem Norden des Landes, die in den letzten Tagen nach Kabul geflüchtet sind und jetzt in Zelten in Parks campieren. "Sie brauchen Medikamente und Nahrung."

Stand: 16.08.2021, 16:51

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