Eine Krankenschwester bereitet im Krankenhaus Ramon y Cajal in Madrid einen PCR-Tests zur Erkennung des Affenpockenvirus vor

Affenpocken: WHO stuft Ausbruch vorerst nicht als internationale Notlage ein

Stand: 26.06.2022, 12:35 Uhr

Der Affenpocken-Ausbruch in mehr als 50 Ländern wird von der WHO vorerst nicht als Gesundheitsnotstand eingestuft. Die Organisation teilte aber mit, die Entwicklung müsse genau beobachtet werden.

Von Jörn Seidel

Die Weltgesundheitsorganisation ruft wegen des Ausbruchs von Affenpocken in mehr als 50 Ländern vorerst keinen internationalen Gesundheitsnotstand aus. Die Entwicklung der Lage solle aber genau beobachtet werden, teilte die Organisation am Samstagabend mit.

In einigen Wochen soll diese Einschätzung noch einmal überprüft werden. Ein Gesundheitsnotstand könnte noch ausgerufen werden, wenn die Krankheit sich auf weitere Länder ausbreitet, insgesamt mehr Infektionen verzeichnet werden oder die Erkrankungen dann schwerer verlaufen. Mit solchen Einstufungen verdeutlicht die WHO, dass eine globale Reaktion nötig ist - wie etwa bei der Corona-Pandemie oder bei Ebola im Kongo und Westafrika.

In NRW waren am Donnerstag nach Angaben des Landesgesundheitsministeriums 60 Menschen nachweislich mit den Affenpocken infiziert.

Ministerium: Affenpocken kaum noch direkt aus Afrika

"Das Besondere an den Fällen ist, dass die Betroffenen zuvor nicht - wie sonst in der Vergangenheit - in afrikanische Länder gereist waren, in denen das Virus endemisch ist", teilte eine Sprecherin des Ministeriums mit. Viele Übertragungen seien "offenbar im Rahmen von sexuellen Aktivitäten erfolgt".

"Soweit bekannt, erkranken die meisten Betroffenen nicht schwer", so die Sprecherin. Genauere Informationen zu den einzelnen Krankheitsverläufen lägen dem Ministerium allerdings nicht vor.

Registrierte Affenpocken-Fälle in etwa einem Drittel NRWs

In Köln und Düsseldorf gab es bislang schon einige Fälle. Insgesamt wurden in etwa einem Drittel der nordrhein-westfälischen Kreise und kreisfreien Städte Affenpocken registriert. Einen Überblick dazu gibt es in dieser Grafik:

Das NRW-Gesundheitsministerium erwartet weitere Fälle. Es verweist dabei allerdings auf das Robert Koch-Institut als zuständige Bundesbehörde, das die gesundheitliche Gefährung der breiten Bevölkerung weiterhin als gering einschätzt.

WHO: Festivals müssen nicht abgesagt werden

Am Freitag teilten Expertinnen und Experten der Weltgesundheitsorganisation bereits mit, dass man keine Notwendigkeit sehe, wegen der ungewöhnlich großen Verbreitung der Affenpocken in diesem Sommer Massenveranstaltungen abzusagen oder zu verschieben.

"Wir müssen das Bewusstsein schärfen." Meg Doherty, Weltgesundheitsorganisation

"Massenveranstaltungen als solches erhöhen nicht das Risiko der Übertragung, es ist das Verhalten auf diesen Events", hieß es von der WHO. Die Veranstaltenden sollten allerdings intensiv über die Ansteckungsgefahren aufklären. Man müsse das Bewusstsein schärfen, so WHO-Epidemiologin Meg Doherty.

Allein in Europa ziehen etwa 800 größere Festivals zum Teil Hunderttausende Besucherinnen und Besucher an. Und weitaus die meisten Fälle der Affenpocken werden in Europa verzeichnet. Weltweit sind in diesem Jahr rund 5.000 Affenpocken-Infektionen bei Menschen gemeldet worden.

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Impfstoff in allen sechs NRW-Unikliniken

Mittlerweile gebe es in allen Unikliniken in NRW Affenpocken-Impfstoff, so das Landesgesundheitsministerium, also in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster.

Das Angebot richte sich aber nicht an die breite Bevölkerung, sondern an Kontaktpersonen von Infizierten und Menschen aus anderen gefährdeten Gruppen.

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