Erste Affenpocken-Todesfälle in der EU

Stand: 30.07.2022, 16:41 Uhr

In Spanien sind zwei Menschen nach einer Affenpocken-Infektion gestorben. Das sind die ersten Todesfälle in Europa nach der erstmalig bekannten Verbreitung der Krankheit über mehrere Kontinente.

Die erste infizierte Person sei in der Region Valencia im Osten des Landes an der Krankheit gestorben, teilte das Gesundheitsministerium in Madrid am Freitagabend mit. Am Samstag wurde dann ein weiterer Todessfall gemeldet. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte zuvor in einem Bericht zum aktuellen Affenpocken-Ausbruch insgesamt fünf Tote verzeichnet – alle in der Region Afrika.

Spanien ist eines der von der Krankheit am stärksten betroffenen Ländern weltweit. Von den 4.298 bisher im ganzen Land erfassten Infektionsfällen hätten bisher nur 120 eine Krankenhaus-Einweisung nötig gemacht, hieß es. In Deutschland wurden bislang 2.595 Affenpockenfälle aus allen 16 Bundesländern an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelt (Stand: 29.7.2022).

Verbreitung ungewöhnlich

Angesichts der schnellen Verbreitung der Affenpocken hatte die WHO am vergangenen Wochenende die höchste Alarmstufe ausgerufen. Der Ausbruch sei eine "Notlage von internationaler Tragweite", erklärte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die internationale Verbreitung der Krankheit ist äußerst ungewöhnlich. Bisher war sie im Wesentlichen auf sechs afrikanische Länder beschränkt.

Eine Gefährdung für die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schätzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein.

Impfungen in NRW möglich

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung derzeit für Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten. Ein erhöhtes Infektionsrisiko sieht die Stiko auch bei Männern, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben.

Geimpft werden können bestimmte Personengruppen, die ein besonders Risiko haben, sich mit dem Affenpockenvirus zu infizieren. In medizinisch begründeten dringenden Einzelfällen, insbesondere bei einem nachgewiesenen engen Kontakt zu einer Person mit einer Affenpockeninfektion, können bereits jetzt an den Universitätskliniken in Aachen, Bochum, Bonn, Düsseldorf, Essen, Münster und Köln Impfungen gegen Affenpocken erfolgen.

Ausbruch in 70 Ländern

Affenpocken kommen in West- und Zentralafrika seit Jahrzehnten vor, ohne dass bekannt geworden wäre, dass sie sich über den Kontinent hinweg verbreitet hätten. Das änderte sich im Mai dieses Jahres, als Dutzende Fälle in Europa, Nordamerika und anderen Regionen entdeckt wurden. Der Ausbruch erstreckt sich inzwischen auf mehr als 70 Länder.

Über dieses Thema berichten wir im WDR am 30.07.2022 auch im Hörfunk: WDR aktuell, 5.30 Uhr.

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