Die AfD-Wähler: "Männer mittleren Alters aus der Mittelschicht"

Passant vor AfD-Wahlplakat in Sachsen-Anhalt

Die AfD-Wähler: "Männer mittleren Alters aus der Mittelschicht"

Von Jörn Seidel

Bei den jüngeren Wählern liegt die AfD in Sachsen-Anhalt weit vorn. Aber auch andere Parteien profitierten von den Jungen. Gewählt wurde die AfD vor allem von anderen.

Haben junge Menschen bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor allem AfD gewählt? So schien es auf den ersten Blick zu sein. Bei genauerer Betrachtung des Wahlergebnisses zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die jungen Menschen wählten bunt. Den größten Zuspruch erhielt die Partei auch diesmal in den mittleren Altersklassen.

Weniger junge Wähler als im AfD-Durchschnitt

Es dauerte eine Weile, bis sich die Umfrage-Ergebnisse zur Wähler-Analyse zurechtruckelten. Am Ende ist das Ergebnis klar - und wenig überraschend. "Bei den Unter-30-Jährigen liegt die AfD demnach erwartungsgemäß und wie schon bei vorangegangenen Wahlen in Ostdeutschland leicht unter dem Wert, den sie insgesamt erzielt hat", sagt Politikwissenschaftler Gideon Botsch von der Universität Potsdam dem WDR.

Zwar liegt die AfD auch bei den jungen Wählern weit vorn - aber nur relativ. Besonders deutlich wird das bei den Wählern unter 25 Jahren. Bei ihnen erhielten sowohl CDU und AfD als auch FDP, Linke und Grüne laut Infratest dimap ein zweistelliges Ergebnis, und zwar immer mit einer Eins davor, also ziemlich einheitlich. Die jungen Wählerinnen und Wähler hätten ihre Stimmen einfach "stärker gesplittet", erklärt Botsch.

Die AfD liegt zum Teil vor der CDU

In den anderen Altersgruppen sind die Unterschiede zwischen den Parteien deutlich größer. Bei den 25- bis 34-Jährigen hat die AfD sogar fünf Prozentpunkte Vorsprung zur CDU. Die Union erhielt laut Infratest dimap 22, die AfD 27 Prozent.

Die Forschungsgruppe Wahlen kommt jedoch zu einem anderen Ergebnis, indem sie andere Altersgruppen zusammenstellt. Demnach hat die AfD in der Gruppe der 30- bis 44-Jährigen zwar ebenfalls 27 Prozent geholt, die CDU mit 29 Prozent aber mehr.

Ihren Erfolg habe die AfD also nicht den jungen Leuten zu verdanken, so Botsch. Gewählt worden sei die AfD stattdessen auch bei dieser ostdeutschen Wahl vor allem von Menschen zwischen 30 und 60 Jahren. Frauen waren eher weniger darunter.

Die AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt waren vor allem "Männern mittleren Alters aus der Mittelschicht", sagt Botsch. Insbesondere seien es Selbständige, Angestellte und Arbeiter.

CDU bei den Jungen kein "Bollwerk gegen Extremismus"

Auch zeige das Wahlverhalten der jungen Menschen: "Der Effekt einer CDU-Wahl zur Abwehr der AfD als stärkste Kraft kommt hier nicht zum Tragen."

Als "Bollwerk gegen Extremismus" bezeichnete CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet seine Partei am Montag. Tatsächlich gewann die Union die Landtagswahl mit großem Abstand zur AfD. Das "Bollwerk" stützt sich aber eher auf die älteren Wähler, vor allem auf die Über-60-Jährigen, wo die CDU laut Infratest dimap satte 47 Prozent holte und die AfD nur 15.

Die jungen Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt haben also weder eine deutliche Tendenz zum rechten Rand, noch sind sie die großen AfD-Verhinderer. Bei den jungen Menschen konnten alle großen Parteien punkten - nur der SPD gelang das kaum.

Stand: 08.06.2021, 11:04

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