AfD-Hochburgen: Gemeinsamkeiten von Ruhrgebiet und Osten

Struktureller Niedergang

AfD-Hochburgen: Gemeinsamkeiten von Ruhrgebiet und Osten

Von Nina Magoley

  • Gute Aussichten für AfD bei Wahlen in Sachsen und Brandenburg
  • Rechte Partei auch im Ruhrgebiet stark
  • Gründe sind teils ähnlich

Die letzte Kneipe hat längst geschlossen, der Bus hält nur noch einmal am Tag, und Arbeitsplätze gibt es weit und breit schon lange nicht mehr. So sieht es in vielen Landstrichen Ostdeutschlands aus, wo die AfD bei den letzten Wahlen große Erfolge verzeichnen konnte.

Aber auch im Ruhrgebiet gibt es Städte, in denen alles immer weniger wird - Infrastruktur, Arbeitsplätze, Zukunftsaussichten. Und auch hier wenden sich offenbar immer mehr Menschen der AfD zu.

Ruhrgebietsstädte Hochburgen der AfD in NRW

Bei der Europawahl 2019 bekam die AfD die meisten NRW-Stimmen im Ruhrgebiet. In Gelsenkirchen waren es 16,4 Prozent, auch in den Nachbarstädten - Herne, Hagen, Bottrop oder Oberhausen - erzielte die rechte Partei ihre besten Erfolge. Alles ehemalige Hochburgen der Sozialdemokratie.

Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Gründe dafür im Ruhrgebiet durchaus vergleichbar mit denen im Osten. Dort, wo Arbeitsplätze vor allem im Handwerk schwinden, wo Menschen um ihre Existenz fürchten, verzeichnet die ausländerfeindliche AfD Zulauf.

So verfügte nach Angaben von IT.NRW ein durchschnittlicher Haushalt in Gelsenkirchen zuletzt über 1.350 Euro im Monat, während der NRW-Schnitt bei 1.800 Euro lag. Auch die Arbeitslosenquote ist in Gelsenkirchen mit 11,5 Prozent fast doppelt so hoch wie der NRW-Durchschnitt (6,7 Prozent).

Dabei ist das Ruhrgebiet mit seiner langen Migrationsgeschichte berühmt für ein ausgeprägtes "Wir-Gefühl". Trotzdem bekommt die rechte und oft ausländerfeindliche AfD jetzt besonders in den sozial abgehängten Quartieren des Ruhrgebiets ihre Stimmen.

Vor allem ehemalige Nicht-Wähler für die AfD

Das geschehe zunehmend, seitdem die AfD sich mit einer Art "sozialem Populismus" als Partei der "kleinen Leute" präsentiere, sagt Rechtsextremismusforscher Alexander Häusler von der Hochschule Düsseldorf. Häufig seien es sogar ehemalige linke Wähler und vor allem bisherige Nichtwähler, die sich nun für die Partei entschieden hätten.

Während die SPD den Menschen aber in früheren Zeiten mit "Landesvater"-Figuren wie Johannes Rau Vertrauen gegeben hätte, fühlten sich viele mittlerweile nicht mehr betreut, allein gelassen. "Genau hier", so Häusler, "ist die Flanke offen für die AfD". Im Westen genauso wie im Osten.

Stand: 29.08.2019, 19:35

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