Studie: AfD schürt Furcht vor Migranten

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Studie: AfD schürt Furcht vor Migranten

  • Forscher untersuchen AfD-Pressemitteilungen
  • Konzentration auf nicht-deutsche Täter
  • Fragen und Antworten

Die AfD schürt einer Studie zufolge systematisch Furcht vor kriminellen Zuwanderern. Das ist das Ergebnis einer Forschungsarbeit von Medienwissenschaftlern aus Hamburg und Leipzig, wie am Sonntag (04.08.2019) bekannt wurde. Die Forscher berufen sich auf eine Analyse von 242 Pressemitteilungen der AfD auf Bundes- und Landesebene zum Thema Kriminalität im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 30. Oktober 2018.

Was haben die Forscher herausgefunden?

Offenbar folgt die Auswahl von Kriminalfällen, die von der AfD öffentlich thematisiert werden, einem bestimmten Muster: In 95 Prozent der Pressemitteilungen geht es demnach um Straftaten, die mutmaßlich von Nicht-Deutschen verübt wurden. Nur in fünf Prozent der Fälle geht es um einen deutschen Tatverdächtigen.

Zum Vergleich: Laut der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für 2018 hatten tatsächlich insgesamt 65,5 Prozent der mutmaßlichen Täter einen deutschen Pass und nur 34,5 Prozent eine andere Nationalität.

Eine weitere Auffälligkeit: Mutmaßliche Straftäter aus Syrien, Afghanistan und Irak machen bei der AfD 47 Prozent der Nennungen aus. In der offiziellen PKS entfallen auf diese drei Nationalitäten nur 5,2 Prozent der Kriminalfälle. Fünf der polizeilich am häufigsten registrierten Nationalitäten (Rumänien, Polen, Serbien, Italien und Russische Föderation) kommen bei der AfD nicht vor.

Ignoriert die AfD offizielle Kriminalitätsstatistiken?

Nicht immer. Falls in den Pressemitteilungen Zahlen genannt werden, dienen sie der Studie zufolge in 73 Prozent der Fälle dazu, Warnungen der AfD vor einer eskalierenden Gewalt durch Zuwanderer zu belegen. Falls die offiziellen Statistiken zu anderen Ergebnissen kommen, werden die Zahlen häufig angezweifelt.

Meist konzentriert sich die Öffentlichkeitsarbeit der AfD auf spektakuläre Kriminalfälle, vorzugsweise Gewaltverbrechen, die eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung belegen sollen.

Hat die Partei mit ihrer Strategie Erfolg?

Die Pressemitteilungen bekommen oft viel Aufmerksamkeit - nicht nur in den Sozialen Netzwerken, sondern auch in anderen Medien. Ein Beispiel ist das von der AfD propagierte Schlagwort von der "Messermigration", also den angeblich rapide zunehmenden Messerangriffen durch Migranten.

Für einen solchen Trend gibt es in den Kriminalitätsstatistiken von Bund und Ländern zwar keine Belege - dennoch wurde das Thema in den Medien und vielen Landesparlamenten intensiv diskutiert.

Stand: 04.08.2019, 11:27

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