"Vergasen"-Aussage: AfD-Fraktion entlässt Christian Lüth

"Vergasen"-Aussage: AfD-Fraktion entlässt Christian Lüth

Je schlechter es Deutschland gehe, desto besser für die AfD - dies und mehr soll der frühere Sprecher der Bundestagsfraktion, Christian Lüth, gesagt haben. Was sagt das über die AfD aus?

Migranten könne man "erschießen" oder "vergasen". Und: "Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD." Diese und andere Aussagen soll der ehemalige Pressesprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Christian Lüth, gesagt haben, der wegen früherer Äußerungen bereits freigestellt war. Am Montag hat ihn die Bundestagsfraktion fristlos entlassen. 

Der Name Christian Lüth fiel erst nach der Sendung

Der Satz fiel am Montagabend in einer ProSieben-Dokumentation über Rechtsextremismus mit dem Titel "Rechts.Deutsch.Radikal". Lüths Name wird in der Gesprächssituation nicht genannt. Gefilmt wurde mit versteckter Kamera. Sein Gesicht ist nicht zu sehen. Die Worte wurden nachgesprochen - anhand eines Gedächtnisprotokolls.

Moderator Thilo Mischke

Thilo Mischke

Erst in der Live-Show "Late Night Berlin" direkt im Anschluss bestätigte der Autor der Dokumentation, Thilo Mischke, wortwörtlich, dass es sich um Christian Lüth handele. 

Aussagen zu Migranten: "Erschießen" oder "vergasen"

In der Dokumentation erklärt der Mann, der Christian Lüth sein soll, dass es gut sei, wenn viele Migranten nach Deutschland kämen. "Weil dann geht es der AfD besser. Wir können die nachher immer noch alle erschießen, das ist überhaupt kein Thema. Oder vergasen oder wie du willst - mir egal."

Filmemacher Thilo Mischke: "Machtzynismus"

Rechtsextreme Äußerungen, die der Filmemacher und Journalist Thilo Mischke als "Machtzynismus" bezeichnet. Ein solcher könne in "jeder Position mit Macht auftreten", sagte er am Dienstag im Interview bei 1LIVE. "Und wenn du dich eben in einer rechten Partei, in einer rechtskonservativen Partei mit einem offensichtlich hohen Anteil an rechtsextremen Gedanken bewegst, dann sagst du wahrscheinlich solche Dinge", so Mischke.

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Politologe Korte: "strategisches Kalkül"

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte von der Universität Duisburg-Essen sieht hinter den Äußerungen, die Lüth zugeschrieben werden, "strategisches Kalkül. Es geht um Mobilisierung über Angst. Es geht auch um Radikalisierung von Stimmungen", sagte er dem WDR.

Karl-Rudolf Korte

Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte

Die AfD sei in unterschiedlichen Richtungen unterwegs. "Sie hat immer was Nationalkonservatives und immer zeitgleich auch etwas Rechtsextremes und Rechtsextremistisches." Trotzdem gebe sich die Partei bürgerlich. Daher sei es verständlich, dass sie sich von dem Aussagen über die AfD und Migranten nun distanziert, so Korte.

AfD distanziert sich vom Äußerungen

Schon kurz vor der Ausstrahlung der Dokumentation teilte die Bundesgeschäftsstelle der AfD am Montag mit, Christian Lüth sei kein AfD-Mitglied und auch kein Parteifunktionär mehr. Allerdings sei er zum Zeitpunkt des Interviews Pressesprecher der Bundestagsfraktion gewesen, heißt es in der Pressemitteilung.

Und weiter: "Seine derzeit thematisierten Äußerungen, die er im Februar 2020 tätigte und die im direkten Gegensatz zu den freiheitlich-demokratischen Grundsätzen unserer Partei stehen, können der AfD deshalb auf keinen Fall zugerechnet werden."

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Obergrenze für private Feiern? I Rassismus-Doku I 0630

0630 by WDR aktuell 29.09.2020 14:04 Min. Verfügbar bis 29.09.2021 WDR Online

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Stand: 29.09.2020, 21:08

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