Telgte will dem Ärztemangel vorbeugen

Landärztemangel im Münsterland Lokalzeit Münsterland 28.10.2021 20:45 Min. Verfügbar bis 04.11.2022 WDR Von Katja Corina Bothe

Telgte will dem Ärztemangel vorbeugen

Von Katja Bothe

Ärzte aus Telgte haben der Stadt ihre Wünsche für bessere Arbeitsbedingungen vorgestellt. Grund ist, dass in Telgte sechs von zehn Ärzten älter als 60 Jahre sind.

Die Stadt will deshalb für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiver werden. Wie wichtig das ist, wissen auch Heinz Hintze und Gerlinde Große-Hovest, sie sind 91 und 78 Jahre alt. Seit mehr als 30 Jahren sind sie Patienten einer Hausarztpraxis in Telgte-Westbevern. Als vor drei Jahren ihr alter Hausarzt keinen Nachfolger für seine Praxis fand, haben sie einen Schreck bekommen.

"Wie Dr. Berwanger, der Vorgänger, aufhören wollte aus Altersgründen, da waren wir anfänglich doch sehr besorgt, dass wir keinen neuen Arzt bekommen“, sagt Heinz Hintze. Und seine Partnerin ergänzt: "Wo sollten wir hingehen, kein Auto, kein Fahrrad, laufen wird auch schwieriger bei den älteren Leuten.

Dankbare Patienten und interessante Arbeit

Deshalb waren sie, wie viele andere Menschen in Westbevern auch, erleichtert, als eine Praxis aus dem benachbarten Ostbevern hier einen zweiten Standort eröffnet hat.

Seitdem ist Matthias Duscha ihr Hausarzt. Die beiden lassen heute ihren Blutdruck checken und ihre Blutwerte überprüfen. Dass sie so glücklich über den jungen Arzt sind, rührt Matthias Duscha. Und wegen Patienten wie ihnen arbeitet er gern hier. Auch weil – mangels Fachärzten in der Gegend – die Krankheiten und Anliegen seiner Patienten vielfältig sind, seine Arbeit also abwechslungsreich.

Viele Hürden für junge Ärzte

So wie er und sein Kollege aus der Gemeinschaftspraxis in Ostbevern sehen es aber nicht alle Ärzte in Telgte und im Kreis Warendorf. Etliche Mediziner aus der Region sind am Mittwoch (27.10.21) einer Einladung der Stadt gefolgt. Denn Telgtes Bürgermeister Wolfgang Pieper will dem drohenden Ärztemangel vorbeugen und Nachwuchs in die Stadt locken.

Fehlende Parkplätze, fehlendes medizinisches Personal und sehr viel Arbeit halten junge Ärzte davon ab, eine eigene Praxis zu gründen, so die Meinung der Mediziner vor Ort. Hinzu komme immer mehr Bürokratie.

Finanzielle Anreize schaffen

Matthias Duscha und sein Kollege Philipp Aumöller halten dagegen, dass es Spaß mache, etwas Eigenes aufzubauen. Voraussetzung sei aber schnelles Internet. Aber Gemeinden könnten auch noch einen besonderen - nämlich finanziellen - Anreiz schaffen: "Wenn man die Praxis nicht abkaufen muss und bei der Modernisierung geholfen würde", sagt Matthias Duscha, müssten sich die jungen Ärzte nicht gleich in Schulden stürzen.

Neue Ideen gegen den Landärztemangel

WDR 5 Morgenecho - Westblick am Morgen 31.05.2021 03:50 Min. Verfügbar bis 28.05.2022 WDR 5 Von Corina Wegler


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Stand: 28.10.2021, 14:40

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