Ärzte in NRW machen mehr Hausbesuche

Ein Hausarzt hält in seiner Praxis ein Stethoskop

Ärzte in NRW machen mehr Hausbesuche

Von Nina Magoley

  • Weniger ärztliche Hausbesuche bundesweit
  • NRW-Trend dagegen umgekehrt
  • Kassenärztliche Vereinigung: deutliche Zunahme

Die Zahl der Hausbesuche von Ärzten ist bundesweit in den vergangenen Jahren deutlich zurück gegangen. In NRW ist der Trend dagegen umgekehrt.

Suchten Hausärzte ihre kranken Patienten 2009 bundesweit noch mehr als 30 Millionen Mal zuhause auf, war die Zahl der Hausbesuche 2016 auf nur noch knapp 25,2 Millionen gesunken. Einer Hochrechnung zufolge seien es im vergangenen Jahr mit 24,6 Millionen noch weniger gewesen. Diese Zahl betrifft zumindest gesetzliche versicherte Patienten und geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor.

Zunahme in NRW

In NRW dagegen sieht es ganz anders aus: Hier verzeichnete die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein eine deutliche Zunahme der Hausbesuche. Von 3,2 Millionen im Jahr 2012 auf 3,5 Millionen in 2017. Rund 440 Mal klingelte im vergangenen Jahr durchschnittlich jeder Hausarzt im Bereich Nordrhein bei seinen Patienten, 150 Mal jeder Facharzt.

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe war zwischen 2012 und 2017 zwar ein leichter Rückgang von 1,8 Millionen auf 1,5 Millionen zu verzeichnen - der aber nicht vergleichbar ist mit dem bundesweiten Negativtrend.

Ärzte fürchten Rückzahlungen

Landarzt bei Hausbesuch

Kein Geld für den Hausbesuch?

Mögliche Erklärungen für diese so unterschiedlichen Trends gibt es mehrere. Nach Ansicht des Gesundheitsexperten der Linkspartei, Achim Kessler, verzichten viele Ärzte darauf, zu ihren Patienten nach Hause zu kommen - aus Sorge, deswegen von den Kassen zu Rückzahlungen verpflichtet zu werden.

Einige Krankenkassen tun das offenbar, wenn sie die Zahl der Hausbesuche als zu hoch einschätzen. Nach welchen Kriterien das bewertet wird, ist allerdings Sache der Kassen und bundesweit ganz unterschiedlich.

"Hausarztzentrierte Versorgung" taucht in Statistik nicht auf

Zudem wurde 2009 von den Krankenkassen die sogenannte "Hausarztzentrierte Versorgung" eingeführt: Versicherte können sich - etwa gegen einen reduzierten Versicherungsbeitrag - verpflichten, in jedem Fall erstmal den Hausarzt aufzusuchen, der dann möglicherweise an einen Facharzt weiter überweist.

Ärzte, die ihre Patienten innerhalb dieser Verträge zuhause besuchen, rechnen das mit der jeweiligen Krankenkasse direkt ab. Solche Hausbesuche tauchen dann nicht in der Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung auf, die nun veröffentlicht wurde.

Nach Meinung von Experten könnte der Bundesdurchschnitt der Hausbesuche auch zusätzlich gesunken sein, weil der Hausarztmangel in ländlichen Gebieten ohnehin dazu führt, dass die Praxen dort überlastet sind. Landärzte hätten oft keine Zeit mehr.

Stand: 13.06.2018, 12:00