Längere Sprechzeiten: Mediziner aus NRW wehren sich

Männlicher Patient im Gespräch mit seiner Ärztin

Längere Sprechzeiten: Mediziner aus NRW wehren sich

Von Claudia Wiggenbröker

  • Krankenkassen fordern mehr Sprechzeiten
  • KVWL: Noch mehr Dienst unzumutbar
  • Studie: Ärzte haben 50-Stunden-Woche

Mittwochs und freitags ab 13 Uhr sowie am Wochenende sind die meisten Arztpraxen geschlossen. Die Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) fordern nun: Niedergelassene Mediziner sollen ihre Sprechzeiten ausweiten.

Deshalb soll es patientenfreundlichere Öffnungszeiten geben, sagte der GKV-Vize-Vorsitzende Johann-Magnus von Stackelberg am Donnerstag (20.12.2018): "Krankheiten richten sich nicht nach den Lieblingsöffnungszeiten der Ärzte."

KBV: Ärzte haben 50-Stunden-Woche

"Dass Ärzte noch mehr Dienst machen sollen, ist nicht zumutbar", sagte dagegen Heike Achtermann von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) dem WDR. Laut einer Studie der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) von 2017 arbeiteten Praxisinhaber im Schnitt 50 Stunden pro Woche.

Noch mehr Arbeitsstunden würden "keine jungen Ärzte locken" und dem Mangel insbesondere auf dem Land nicht entgegenwirken.

Das sieht Christopher Schneider von der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland ähnlich. Es gebe gar keinen Spielraum mehr, um die Sprechzeiten auszuweiten. Die Arbeitsbelastung der Mediziner sei in den vergangenen Jahren zudem gestiegen. "Forderungen allein vermehren keine ärztlichen Kapazitäten", resümierte er.

Bürokratie statt Freizeit

Der Düsseldorfer Arzt Dr. Thomas Wietschorke verweist darauf, dass die Aufgabe eines Mediziners nicht nur der Patientenkontakt sei, sondern auch das Schreiben von Befunden und Berichten. Das würde er am Mittwoch- oder Freitagnachmittag erledigen - neben 37 Stunden Sprechzeiten pro Woche, die bis in die Abendstunden reichen. Er hofft, dass seine Patienten Verständnis dafür haben, dass er nicht am Wochenende arbeitet.

Wenn die Arztpraxis geschlossen hat, können sich Patienten an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst wenden, so Achtermann vom KVWL. Die Wartezeiten dort hingen von Region und Wochentag ab.

Ausweichen in die Notaufnahmen

Gerade einmal 20 Prozent der Praxen haben laut einer Umfrage des Kassen-Verbands mittwochs zwischen 14 und 17 Uhr geöffnet. Freitags sind es noch weniger. "Kein Wunder, dass immer mehr Menschen in die Notaufnahmen der Krankenhäuser gehen", so Stackelberg vom GKV.

Derzeit müssen Haus- und Fachärzte mindestens 20 Stunden pro Woche Sprechzeiten anbieten. Die GKV fordert, dass der Gesetzgeber diese Vorgabe auf 25 Wochenstunden erhöht.

Laut einer Forsa-Umfrage von 2018 bieten die meisten Ärzte aber jetzt schon durchschnittlich 29 Stunden pro Woche an. Dennoch würde ein "nicht unerheblicher Teil weit unter diesen Zeiten" bleiben.

Stand: 20.12.2018, 09:36

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