Kölner Journalist bleibt in der Türkei in Haft

Kölner Journalist bleibt in der Türkei in Haft

Von Katja Goebel

  • Kölner Adil Demirci seit Monaten in türkischer Haft
  • Der Vorwurf: Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei
  • Delegation von Unterstützern aus Köln beim Prozessauftakt

Am Dienstag (20.11.2018) hat in Istanbul der Prozess gegen den Kölner Sozialarbeiter und Journalisten Adil Demirci begonnen. Er sitzt seit sieben Monaten in türkischer Haft. Zu Prozessbeginn setzte er sich gegen die ihm angelasteten Terrorvorwürfe zur Wehr. "Ich habe keine Verbindung zu illegalen Organisationen", sagte der 32-Jährige. Er arbeite in Deutschland als Sozialarbeiter und mache Übersetzungen aus dem Türkischen ins Englische und Deutsche.

Demonstranten fordern die Freilassung des in der Türkei inhaftierten Journalisten Adil Demirci

Am Dienstagabend wurde bekannt, dass Demirci vorerst in Untersuchungshaft bleiben muss. Zwar verfügten die Richter, dass sechs der elf in U-Haft sitzenden Angeklagten freikommen werden. Demirci aber war nicht dabei, wie einer seiner Anwälte sagte. Einen Grund hätten die Richter nicht genannt.

Warum wurde Demirci angeklagt?

Der deutsch-türkische Sozialarbeiter war Mitte April 2018 in Istanbul von einer Spezialeinheit festgenommen worden. Der Kölner schrieb aus Deutschland als freier Journalist für die linke Nachrichtenagentur Etha, für die auch Mesale Tolu arbeitete, die bis zum Jahresende 2017 in türkischer Haft saß. Demirci wird Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei vorgeworfen. In der Türkei gilt die Partei als Terrororganisation.

Warum war Demirci in die Türkei gereist?

Demirci wollte nach Angaben seines Anwalts seine krebskranke Mutter begleiten, die sich bei Verwandten von einer Therapie erholen wollte. "Adil Demirci arbeitet für eine türkische Nachrichtenagentur, die weder illegal noch verboten ist und bis heute publiziert", erklärt Anwalt Roland Meister gegenüber dem WDR. "Er dachte, dass dies ein Schutz ist."

Wer setzt sich für die Freilassung ein?

Seit Juni 2018 hat es rund 30 Mahnwachen für Demirci gegeben. Im September übergab der Solidaritätskreis "Freiheit für Adil Demirci" 5.000 Unterschriften an das Auswärtige Amt in Berlin. Jörg Detjen, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei in Köln, spricht von einer willkürlichen Verhaftung.

Zum Prozessbeginn reiste eine Unterstützergruppe nach Istanbul - mit dabei auch Günter Wallraff. Er habe in der Türkei ein gewisses Ansehen, so der Schriftsteller. "Wenn ich in der Türkei verhaftet werde, würden auch viele Erdogan-Anhänger vielleicht nachdenklich", sagt Wallraff gegenüber dem WDR.

Welche Strafe droht Demirci?

Die Mitgliedschaft in einer Terror-Organisation werde mit mindestens fünf Jahren Haft bestraft, so Anwalt Meister.

Gab es weitere Verhaftungen von Menschen aus NRW?

Wie am Mittwoch (14.11.2018) bekannt wurde, muss die deutsch-kurdische Sängerin Hozan Cane aus Köln in der Türkei für mehr als sechs Jahre in Haft. Der Vorwurf: Unterstützung der kurdischen Oppositionspartei.

Der Schriftsteller Dogan Akhanli aus Köln war im vergangenen Sommer verhaftet worden. Er hatte einen Appell für ein Ende der Gewalt im Kurdenkonflikt unterzeichnet. Auch der Kölner Sozialwissenschaftler Sharo Garip durfte die Türkei zwei Jahre nicht verlassen, weil er die Kurdenpolitik der türkischen Regierung kritisiert hatte.

Stand: 20.11.2018, 16:04

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