Warum Radfahrer in NRW-Städten gefährlich leben

vorbildlicher Radweg in Kopenhagen

Warum Radfahrer in NRW-Städten gefährlich leben

Von Oliver Scheel

  • Der ADFC fordert politisches Bekenntnis zum Fahrrad
  • Politik müsse dem Auto den Raum nehmen
  • Neidischer Blick nach Kopenhagen

Am Mittwoch (16.05.2018) wird mit dem "Ride of Silence" - einer Radtour durch viele Städte des Landes - schwer verletzten oder getöteten Radfahrern gedacht. Radfahrer leben gefährlich in den Ballungsräumen von NRW. Die Städte ächzen unter dem Autoverkehr.

Die Politik setzt auf E-Mobilität. Doch dies ist für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die falsche Strategie: "Man muss den Autos den Raum nehmen", sagt Daniel Wegerich vom ADFC in NRW.

Mahnwache für Radfahrer: "Ride of Silence"

WDR 5 Morgenecho - Beiträge | 16.05.2018 | 03:57 Min.

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Nach dem Krieg sind die deutschen Städte möglichst autogerecht wieder aufgebaut worden. "Die Bürger sollten überall mit dem Auto hinkommen und möglichst überall parken können", erläutert Wegerich. Heute müsse man sich von diesem autozentrierten Ansatz lösen.

"Bereitschaft aufs Rad umzusteigen ist da"

"Will man mehr aktiv sich bewegende Verkehrsteilnehmer, also Radfahrer und Fußgänger, muss man ihnen mehr Platz geben. Den könne man von fahrenden und parkenden Autos nehmen", schlussfolgert der Fahrrad-Experte, dem von der Politik bisher ein klares Bekenntnis zum Fahrrad fehlt.

Das Fahrrad könne aber ein Teil zur Lösung der Verkehrsprobleme sein. Die Bereitschaft der Menschen, aufs Rad umzusteigen, sei vorhanden. "Aber vielen Bürgern ist Radfahren in der Stadt schlicht zu gefährlich. Deshalb müssen wir die Rad-Infrastruktur ausbauen", fordert Wegerich von der Politik: "Mit Sicherheit löst die Antriebswende die Verkehrsprobleme nicht, denn E-Autos entlasten unsere Städte nicht."

Probleme und mögliche Lösungen für Radwege

zugeparkter Radweg in Berlin

Im täglichen Kampf um die besten Plätze gilt bei vielen Verkehrsteilnehmern immer noch das Recht des Stärkeren. Und das ist traditionell der Autofahrer. Stadtplaner und Radfahrer wissen: Radverkehr benötigt Platz.

Im täglichen Kampf um die besten Plätze gilt bei vielen Verkehrsteilnehmern immer noch das Recht des Stärkeren. Und das ist traditionell der Autofahrer. Stadtplaner und Radfahrer wissen: Radverkehr benötigt Platz.

In Portland, US-Bundesstaat Oregon, war die Stadtpolitik mutig und räumte den Radlern viel und gut sichtbaren Platz ein. Das führte zu einem sprunghaften Anstieg von Radfahrern in der Stadt.

Zugeparkte Fahrradstreifen gehören in vielen NRW-Städten zu den Ärgernissen des Radleralltags. Die Folge: Der Radfahrer muss nach links in den fließenden Autoverkehr ausweichen - oder über den Bürgersteig schieben.

In der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wird dem Radverkehr seit Jahren Priorität eingeräumt. Die Stadt hat den Autos Platz genommen, um ihn Fahrrädern zu geben. Der Erfolg ist überwältigend.

In den Städten zwischen Rhein und Weser scheuen viele Menschen in ihrer Stadt den Sprung aufs Rad, weil ihnen die unmittelbare Nähe zu Autos, Bussen und Lkw nicht geheuer ist.

Eine klare farbliche Kennzeichnung, wie hier in der Fahrradmetropole Münster, hilft Abbiege-Unfälle zu vermeiden. Dem Autofahrer wird signalisiert: Achtung, hier ist ein Radweg!

Baulich getrennte Radwege geben Radlern das Gefühl, deutlich sicherer unterwegs zu sein. Aber für solche raumgreifenden Bauwerke braucht es Zeit, Geld und den politischen Willen, sich mit den Autofahrern anzulegen.

Daher ist ein anderer Lösungsansatz, Radverkehr und Autoverkehr komplett von einander zu trennen, wie auf diesem Modell des Radschnellwegs Ruhr. Er soll einmal auf eigener Trasse und mit nur wenigen Kreuzungen von Duisburg bis Hamm quer durchs Ruhrgebiet führen.

Kopenhagen als weltweit beachtetes Beispiel

50 Prozent aller Autofahrten seien weniger als fünf Kilometer lang. Daher müsse man genau hier umschichten. Wegerich sieht dafür kein Verkehrskonzept, dass einfach so bei allen Städten Anwendung finden könnte. "Es gibt keine Blaupause, aber es gibt Möglichkeiten, die Infrastruktur zu verändern."

In Kopenhagen ist dies gelungen. Mittlerweile pendeln mehr Menschen mit dem Rad in die Stadt als mit dem Auto. "Vor 20 Jahren sah Kopenhagen aus wie Düsseldorf. Man hat dort aber den Mut gehabt, jedes Jahr 10 Prozent der Parkplätze wegzunehmen", so Wegerich. Das hat die Stadt nachhaltig verändert und zu einem weltweit beachteten Beispiel für positive Stadtentwicklung gemacht.

Stand: 16.05.2018, 15:51