Radfahrer geben NRW-Städten schlechte Noten

Radfahrer geben NRW-Städten schlechte Noten

Von Lars Faulenbach

NRW schneidet beim Fahrradklima-Test des ADFC nicht gut ab. Vor allem die großen Städte bekommen schlechte Noten. Das Münsterland bleibt Vorzeigeregion in Sachen Radverkehr.

Essen bekommt eine 4,22, Dortmund nur eine 4,35 und Köln eine 4,37: die Noten für drei der vier größten Städte in NRW beim Fahrradklima-Test 2020 des ADFC sind bescheiden. Unter den deutschen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern landen sie damit auf den drei letzten Plätzen.

NRW bekommt nur ein "ausreichend"

Die Landeshauptstadt Düsseldorf schafft es immerhin auf den achten von 14 Plätzen in dieser Kategorie. Hier honorieren die Teilnehmer laut ADFC die Bemühungen der Stadt in der Corona-Krise etwas für Radfahrer zu tun, etwa durch Pop-Up-Radwege.

Insgesamt aber ist NRW weit entfernt von der Position als Fahrradland Nr1, auf der Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) es sieht. Die rund 60.000 Teilnehmer des Fahrradklima-Tests 2020 geben NRW insgesamt nur ein "ausreichend".

Vier NRW-Städte mit "Roter Laterne"

Das zeigt sich auch daran, dass in vier von sechs Ortsgrößenklassen NRW-Kommunen ganz hinten liegen. Neben Köln sind das Duisburg, Hagen und Lüdenscheid mit der schlechtesten Note von allen Städten deutschlandweit.

Insgesamt bemängeln die Teilnehmer vor allem zu schmale Radwege und dass falsch parkende Autos auf Radwegen zu selten kontrolliert werden. Zwei Drittel der Radfahrer fühlen sich deswegen im Verkehr unsicher.

Münsterland erneut Spitze

Vorzeigeregion in Sachen Radverkehr bleibt das Münsterland. Vier der bundesweit 25 Spitzenplätze in den verschiedenen Ortsgrößenklassen belegen Städte aus dem Münsterland. Sie werden deswegen von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in Berlin ausgezeichnet. Wettringen hat mit 1,96 sogar die beste Note aller Städte in Deutschland. Sehr gut schneidet aus NRW noch Meckenheim aus dem Rhein-Sieg-Kreis ab.

Allerdings hat auch das Münsterland im Vergleich zum letzten Fahrradklima-Test an Boden verloren. Vor allem Bocholt hat sich fast um eine halbe Note verschlechtert und seinen bisherigen Spitzenplatz unter den Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohner eingebüßt.

Wenig Hilfe für Radfahrer in der Corona-Krise

Besonders enttäuscht sind die Befragten insgesamt, wie die Städte auf die Corona-Krise reagiert haben. Zwei Drittel sagen, dass das Fahrrad durch Corona wichtiger geworden sei. Den Maßnahmen der Städte, um Radfahrer in der Krise zu stärken, geben sie aber nur eine 5.

Der Vorsitzende des ADFC NRW, Thomas Semmelmann, fordert deswegen von der Politik ein Umdenken: "Es braucht konkretere Ziele, ambitioniertere Maßnahmen und ein klares Bekenntnis zur Umverteilung von Verkehrsraum zu Gunsten des Fahrrads."

ADFC fordert mehr Mut

Dazu gehöre mehr Mut in den Kommunen, den Radverkehr wirklich zu fördern. Vor allem aber müsse das Land Städte und Gemeinden besser unterstützen und klare Zielvorgaben machen bis wann welche Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Dafür müsse das Fahrrad- und Nahmobilitätsgesetz nachgebessert werden.

Stand: 16.03.2021, 11:00

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