Adenauers First Lady gestorben

Adenauers First Lady gestorben

Von Sabine Tenta

Die jüngste Tochter von Konrad Adenauer ist gestorben. Früh verlor Libet Werhahn ihre Mutter und wurde so zur First Lady an der Seite ihres Vaters.

Das Haar war stets perfekt frisiert, das Auftreten von Selbstbewusstsein und bürgerlicher Form geprägt. So repräsentierte die jüngste Tochter von Konrad Adenauer (CDU) die Interessen der Familie

Elisabeth, genannt Libet, wird als jüngste Adenauer-Tochter am 17. Mai 1928 in Köln geboren. Ihr Vater ist damals Oberbürgermeister der Stadt. Dass er 1949 Bundeskanzler wird, hat seine zweite Ehefrau Gussie nicht mehr erlebt. Sie starb 1948 im Alter von 52 Jahren. "Zurück blieb der einsame und verhärtete Ehemann", erinnert sich Libet.

First Lady

Auf Auslandsreisen und bei Empfängen schlüpfen die beiden Töchter Libet und Lotte an der Seite ihres Vaters abwechselnd in die Rolle der "First Lady". "Der Vater nahm uns gerne mit, weil es ihn auch ablenkte. Wir waren auch recht hübsche junge Frauen, das hat ihm gut getan." Aber auch die Töchter profitieren davon: "Ich habe viel gesehen und erlebt dabei, das hat mein Leben kolossal bereichert."

Zu Besuch bei den Kennedys

Unvergessen bleiben für Libet die beiden Staatsbesuche bei den Kennedys 1961 und 1962: "Nach dem Krieg: Amerika! Das war eine Offenbarung!" Mit der Tochter an seiner Seite hofft Adenauer auf ein entspannteres Verhältnis zum US-Präsidenten.

Vor dem Weißen Haus steht Libet neben der Stilikone Jacky Kennedy, nicht minder elegant gekleidet. Mit ihr besucht sie die Oper und nennt sie "sehr charmant, sehr gebildet, sehr offen." So wird der Deutschland-Besuch von John F. Kennedy 1963 vorbereitet, bei dem er bekennt: "Ich bin ein Berliner."

Lokalpolitik in Neuss

Die Rolle der First Lady übernimmt Libet, obwohl sie selbst Familie hat: 1950 heiratet sie Hermann Josef Werhahn, den Sohn einer rheinischen Industriellen-Dynastie, und zieht nach Neuss. Werhahn stirbt 2016. Das Paar hat fünf Kinder. In Neuss engagiert sich Libet Werhahn als CDU-Politikerin in der Lokalpolitik, unter anderem als Ratsfrau. 

Der Vater als Freund

Das Verhältnis zu ihrem Vater Konrad Adenauer habe sich vom reinen Tochter- Vater-Verhältnis zu einem freundschaftlichen gewandelt: "Ich konnte ihm wirklich alles erzählen." Gerne erinnert sie sich an die gemeinsamen Italien-Urlaube, "da haben wir wunderbare lange Spaziergänge gemacht."

Als Konrad Adenauer am 19.04.1967 stirbt, sitzt Libet an seinem Bett, in Tränen ausgebrochen. Die letzten Worte Adenauers sind: "Da jitt et nix zo kriesche." (Da gibt es nichts zu weinen.) Am 03.02.2019 starb Libet Werhahn-Adenauer im Alter von 90 Jahren.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte ihre Verdienste. "Libet Werhahn war Repräsentantin des Staates und ein Vorbild ihrer Zeit", sagte Laschet. Durch ihre herzliche Art habe sie Türen geöffnet und viel für das Ansehen Deutschlands in der Welt und für die Verständigung der Völker geleistet.

Erlebte Geschichten: Libet Werhahn (21.05.2009)

Verfügbar bis 30.12.2099

Stand: 04.02.2019, 21:00

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