Ein Mann steht an einer Zapfsäule

ADAC ruft zum Spritsparen auf: "Jeder Liter kann Einfluss auf Krieg nehmen"

Stand: 27.04.2022, 08:52 Uhr

Der ADAC ruft angesichts des Krieges in der Ukraine zum Spritsparen auf. Das Thema Energie steht heute auch auf der Agenda der Bundesregierung: Sie will die geplanten Entlastungen auf den Weg bringen.

Der Automobilclub ADAC ruft angesichts des Krieges in der Ukraine zum Spritsparen auf. "Jeder gesparte Liter Treibstoff kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von Ölimporten zu reduzieren und damit mittelbar auf die weitere Entwicklung des Krieges Einfluss nehmen", sagte ADAC-Präsident Christian Reinicke den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). Es sei auch möglich "zum Bäcker mit dem Fahrrad anstatt mit dem SUV" zu fahren. 

ADAC-Präsident: Christian Reinicke

"Für viele Kurzstrecken ergibt die Autofahrt keinen Sinn. Bei anderen Strecken kann man auch mal den ÖPNV nutzen", sagte Reinicke weiter. Er riet überhaupt zu einer sparsamen Fahrweise. "Ich selbst versuche ebenfalls, rund 20 Prozent langsamer zu fahren. Wenn das alle 21,2 Millionen Mitglieder des ADAC so machen würden, wären es bereits gewaltige Einspareffekte", sagte er.

Laut einer vom ADAC in Auftrag gegebenen Umfrage sei derzeit fast jeder Zweite bereit, auf Einzelfahrten mit dem Pkw zu verzichten, um Energie zu sparen. 60 Prozent sei es demnach gelungen, mit einer sparsameren Fahrweise Energie zu sparen. 

Um die ADAC-Mitglieder zum Spritsparen anzuhalten, startet der Verein am Mittwoch eine Kampagne. Dabei sollen Autofahrer über Einsparpotenziale und Alternativen zum eigenen Fahrzeug informiert werden. In einem offenen Brief, den der ADAC am Mittwoch an seine Mitglieder verschicken will, rufen Reinicke und ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand den Funke-Zeitungen zufolge zum Zu-Fuß-Gehen und Radfahren auf.

Regierung will Entlastungen heute beschließen

Finanzminister Christian Lindner, FDP, stellt bei einer Bundespressekonferenz den Haushaltsplan und Eckwerte zum Regierungsentwurf vor.

Christian Lindner

Die Bundesregierung will am Mittwoch unter anderem die befristete Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe beschließen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) plant wegen des Angriffskriegs auf die Ukraine bereits fast 40 Milliarden Euro zusätzliche Schulden ein. Dazu tragen auch die geplanten Entlastungspakete bei. Der Ergänzungshaushalt steht am Mittwoch ebenfalls auf der Agenda der Regierung.

Auch den Gesetzesentwurf für das angekündigte 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn will man auf den Weg bringen. Hier hakt es vor allem noch in finanziellen Belangen: Mindestens 2,5 Milliarden Euro werden die Verkehrsunternehmen durch das Neun-Euro-Ticket an Einnahmen verlieren - denn der Rabatt soll nicht nur für Autofahrer gelten, die jetzt wegen der hohen Spritpreise umsteigen wollen, sondern auch für Stammkunden, die schon ein Abo für Bus und Bahn haben. Wer bisher also 60 Euro im Monat für sein Abo zahlt, bekommt im Sommer dann pro Aktionsmonat automatisch 51 Euro zurück.

Der Bund will die geschätzten Kosten von 2,5 Milliarden Euro zwar übernehmen - doch den Ländern reicht das nicht aus. In einem Brief fordern sie die Zusage, dass der Bund Geld nachschießt, falls das nötig wird - bisher ist der Bundesverkehrsminister dazu aber nicht bereit: "Die Länder nehmen ja neun Euro pro Ticket ein, die müssen sie nicht abgeben, sondern dürfen sie behalten, sodass die vollen Kosten erstattet werden", so Wissing im TV-Sender Welt.

Habeck: Bald unabhängig von russischem Öl

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat indes die völlige Unabhängigkeit Deutschlands von Ölimporten aus Russland für die nächsten Tage angekündigt. Es sei gelungen, die Abhängigkeit von 35 Prozent vor Beginn des Ukraine-Krieges innerhalb von acht Wochen auf zwölf Prozent zu senken. Und dieser Anteil falle allein auf Lieferungen für die PCK Raffinerie in Schwedt an der Oder. Schwedt ist an eine Pipeline aus Russland angebunden.

Robert Habeck bei der Pressekonferenz zur Eröffnungsbilanz Klimaschutz im Haus der Bundespressekonferenz. Berlin, 11.01

Robert Habeck

"Schwedt, das darf ich einfach mal aussprechen, wird von einer russischen Firma, von Rosneft, gemanagt", so Habeck. Das Geschäftsmodell des Staatskonzerns sei es, russisches Öl zu kaufen. Wenn man dieses Öl nicht mehr haben wolle, brauche man für Schwedt eine Alternative. Diese Alternative zu entwickeln, sei die Aufgabe der kommenden Tage. Er gehe davon aus, dass es sich tatsächlich nur um Tage handele. Habeck sieht Deutschland nun für einen Stopp russischer Öllieferungen gerüstet. 

Für russische Kohle haben die EU-Staaten bereits einen Importstopp mit einer Übergangsfrist von vier Monaten beschlossen. Am schwierigsten gilt der Ersatz für russisches Erdgas, das über Pipelines nach Deutschland kommt. Weil sie einen Rückgang der Wirtschaftsleistung befürchten, wollen Deutschland und viele andere Staaten vorerst nicht auf Gasimporte aus Russland verzichten.

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Über das Thema Energiepreise berichten wir im WDR am 27.04.2022 auch im Hörfunk und Fernsehen.

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