Wie funktioniert das Luftabwehrsystem Iris-T?

Stand: 13.10.2022, 13:08 Uhr

Deutschland lieferte das modernste Flugabwehrsystem Iris-T an die Ukraine. Was das ist und wie es funktioniert.

Kurz nach den Raketenangriffen Russlands auf die ukrainische Hauptstadt Kiew und Dutzende andere ukrainische Städte hat Deutschland das Flugabwehrsystem Iris-T SLM an das Land übergeben. Damit erfüllt die Bundesregierung ein Versprechen, das Bundeskanzler Olaf Scholz Anfang Juni im Bundestag gegeben hatte. Wie Iris-T funktioniert, erklärte dem WDR Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg.

WDR: Was ist das Luftabwehrsystem Iris-T?

Lenkwaffe Iris-T, präsentiert auf der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA Berlin.

Ulrich Kühn, Leiter des Forschungsbereichs Rüstungskontrolle und Neue Technologien am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg: Es ist ein sehr modernes und äußerst potentes Flugabwehrsystem. Das sieht man schon daran, dass die Bundeswehr es selber noch nicht wirklich im Dienst hat. Das kommt wirklich ganz frisch von der Industrie.

WDR: Was kann dieses System?

Ulrich Kühn: Dieses System bietet ein Verteidigung gegen sogenannte ballistische Raketen, gegen Marschflugkörper, gegen anfliegende Drohnen und gegen Flugzeuge. Und laut Auskunft des Herstellers genügt eine Batterie, um ein Gebiet von ungefähr der Größe der Hälfte der Stadt Nürnberg abzudecken. Das würde den Ukrainern zum jetzigen Zeitpunkt, wo Putin den Krieg gerade in die Städte trägt, natürlich helfen.

Luftabwehrsystem "Iris-T": "Komplex, aber potent"

WDR 5 Morgenecho - Interview 13.10.2022 06:04 Min. Verfügbar bis 13.10.2023 WDR 5


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WDR: Technisch ist das alles schwer vorstellbar für Laien. Raketen fliegen sehr schnell an, also muss ein solches System in Sekundenschnelle reagieren oder?

Interview Ulrich Kühn, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Ulrich Kühn, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik

Ulrich Kühn: Das ist richtig. Es solches System wird üblicherweise von 30 bis zu 40 Soldaten bedient. Dazu gehört erst mal eine Radaranlage, und das ist im Grunde das Wichtigste. Denn dieses System muss die anfliegenden Objekte tracken und wahrnehmen. Dann gibt es ein Gefechtsstand, der dafür da ist, dass das System den anfliegenden Flugkörper auch beschießen kann. Dazu gehören auch drei auf einem Lastwagen montierte Raketenwerfer, die mit den entsprechenden Raketen bestückt sind.

WDR: Mit einer einzigen Batterie kann man ein relativ großes Gebiet sichern. Aber die Ukraine ist ja flächenmäßig ein sehr großes Land. Wie viel solche Systeme würde man da brauchen?

Ulrich Kühn: Das ist im Grunde das Dilemma, vor dem jetzt sowohl die Ukraine als auch die Europäer stehen. Denn es gibt nicht genug Systeme, um die Ukraine ausreichend zu schützen.

WDR: Man kann sich vorstellen, dass die Hersteller von Angriffsraketen die Fähigkeiten haben werden, solche Abwehrsysteme mitzudenken und entsprechend vorbauen, damit die eigenen Geschosse möglichst nicht abgefangen werden. Hat Russland entsprechende Möglichkeiten?

Ulrich Kühn: Die Raketen, die jetzt eingesetzt wurden von Russland während der vergangenen Tage (...), waren hochmoderne Raketen, sowohl ballistische Raketen, als auch Marschflugkörper und die kommen teilweise mit Täuschkörpern, sodass sie den Radar von Flugabwehr-Anlagen täuschen können. Sie können teilweise die Flugbahn ändern.

Das ursprüngliche Interview wurde am 13.10.2022 im WDR 5 Morgenecho geführt. Wir haben das Gespräch für die schriftliche Version leicht angepasst.

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