Wie unfair sind NRWs Abwassergebühren?

Das Bild zeigt den Abfluss eines Spülbeckens, in den Wasser läuft.

Wie unfair sind NRWs Abwassergebühren?

Von Christian Basl und Nicolas Vordonarakis

Bei den Abwassergebühren gibt es in den NRW-Kommunen große Unterschiede: Bis zu tausend Euro pro Jahr liegen manche Kommunen auseinander. Alle Daten hier im Vergleich.

Wenn Herr Neumann aus Bergkamen seine Waschmaschine anmacht, dann beginnt die Wasseruhr zu rotieren. Etwa 70 Liter fließen ins Abwasser, dafür bezahlt Herr Neumann 29 Cent. Würde Herr Neumann seine Wäsche ins Auto packen, quer durch Bergkamen und in die Nachbarstadt Hamm fahren, dann müsste er fürs Wäsche-Abwasser nur 13 Cent bezahlen. Hochgerechnet aufs Jahr: Bergkamener zahlen im Durchschnitt 1.082 Euro, Hammer 479 Euro pro Jahr. 

Wie groß sind die Unterschiede? 

Eine Preisspanne von genau 1.000,10 Euro im Jahr gibt es zwischen der teuersten Gemeinde Waldbröl mit 1.246,6 Euro und der günstigsten Gemeinde Reken 246,5 Euro. Was kostet Abwasser in meinem Wohnort? Wir haben für Sie Daten vom Bund der Steuerzahler NRW ausgewertet. In dieser interaktiven WDR-Abwasserkarte können Sie Ihre Gemeinde mit anderen in NRW vergleichen: 

Bund der Steuerzahler kritisiert Gebührenpraxis   

Der Bund der Steuerzahler wirft den Kommunen unfaire Berechnungsmethoden bei den Abwasserpreisen vor. Rik Steinheuer, Vorsitzender beim Bund der Steuerzahler NRW kritisiert, dass viele Kommunen bei der Berechnung Spielräume ausnutzen, um Gebühren höher zu halten: "Diese Spielräume können Gemeinden zu Gunsten der Bürger oder eben zu Lasten der Bürger auslegen." 

Schild Bund der Steuerzahler NRW (Foto: dpa)

Kommunen dürfen für ihre Kanalisationen, Pumpwerke und Kläranlagen von den Bürgern Zinsen verlangen – ganz legal. Das Gesetz sagt: Das Kapital, das dort drinsteckt, hätten Kommunen auf der Bank anlegen können. Dafür dürfen sie einen Ausgleich verlangen. In manchen Gemeinden liegt dieser Zinssatz bei 5,5 Prozent. Die Gemeindeprüfanstalt NRW empfiehlt diese Praxis sogar, um den kommunalen Haushalt zu stabilisieren. 

Der Bund der Steuerzahler NRW will im kommenden Jahr dagegen allerdings klagen. Ziel sei es, da, wo Abwassergebühren höher als nötig seien, den Spielraum für höhere Gebühren wenigstens zu verringern.  

Kommunen: Bedingungen oft sehr unterschiedlich 

Auf manche Faktoren, die den Abwasserpreis in die Höhe treiben, haben die Kommunen allerdings keinen Einfluss – das gilt etwa für topographische Unterschiede, also wenn es zum Beispiel besonders bergig ist und das Abwasser oft mit Pumpen zum Klärwerk befördert werden muss.

Aber auch die Siedlungsstruktur spielt eine Rolle – braucht es also ein langes Kanalnetz für wenig Haushalte, die weit auseinander liegen oder teilen sich viele Haushalte ein kleineres Kanalnetz? 

Landesregierung: Unterschiede lassen sich nicht vermeiden

NRW-Verbraucherministeriun Ursula Heinen-Esser (CDU)

"Auch wenn die gesetzlichen Vorgaben dafür einheitlich sind, gibt es vor Ort sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen, die Einfluss auf die Gebührenhöhe haben", heißt es auch vom Verbraucherschutzministerium. "Unterschiede bei den Abwassergebühren lassen sich deshalb nicht vermeiden."

Aus Verbrauchersicht bedeutet das am Ende dann allerdings, dass schlichtweg der Wohnort über mehrere hundert Euro mehr oder weniger im Portemonnaie entscheidet. Von einem umfassenden Plan, die Gebühren grundlegend aktiv einheitlich zu gestalten, spricht man bei der Landesregierung nicht.  

Stand: 30.09.2020, 08:51

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