Warum viele Abschiebungen an Piloten scheitern

Warum viele Abschiebungen an Piloten scheitern

  • Über 5.000 Menschen wurden 2018 über NRW-Flughäfen abgeschoben
  • Häufig verweigern aber Piloten die Mitnahme
  • Risiko einer Eskalation im Flugzeug zu groß

An Flughäfen in Nordrhein-Westfalen sind im vergangenen Jahr 5.295 Menschen abgeschoben worden. Rund 240 geplante Rückführungen auf dem Luftweg scheiterten in NRW - meistens wegen Widerstands durch Fluggesellschaften oder der jeweiligen Piloten. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linke-Fraktion im Bundestag hervor.

Wenn Piloten sich weigern

Im vergangenen Jahr sind 5.008 Menschen vom Flughafen Düsseldorf abgeschoben worden, 285 weitere über Köln/Bonn und zwei über Dortmund.

Doch allein 169 Mal scheiterten Abschiebungen am Flughafen Düsseldorf, weil sich Fluggesellschaft oder Pilot weigerten, die Personen mitzunehmen. In Köln passierte das sechsmal.

Dort wiederum leisteten 30 Menschen so heftigen Widerstand, dass sie nicht abgeschoben werden konnten. In Düsseldorf scheiterten acht Abschiebungen an "Widerstandshandlungen", so die Bundesregierung. In 28 Fällen mussten in Düsseldorf Abschiebungen wegen medizinischer Gründe abgebrochen werden, zweimal in Köln.

Abschieben um jeden Preis? Monitor 25.01.2019 01:29 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste

Stimmung kann schnell kippen

Piloten können auf ihren Flügen grundsätzlich selbst entscheiden, ob sie einen Passagier, der ein Risiko darstellt, mitnehmen oder nicht. Menschen, die abgeschoben werden, werden in der Regel von Grenzschutzbeamten lediglich zum Flugzeug gebracht.

Piloten der Lufthansa sitzen im Cockpit eines Airbus

Piloten haben die Verantwortung für Passagiere und Crew

Sie steigen ein, bevor die übrigen Passagiere zusteigen, doch auf dem Flug begleitet werden sie selten, sagte Janis Georg Schmitt, Sprecher der Vereinigung Cockpit, am Sonntag (03.03.2019) dem WDR. Schmitt, der selbst Pilot ist, kennt die Situation aus eigener Erfahrung. Manchmal könne die Situation noch kurz vor dem Flug eskalieren.

Erlebt habe er dies selbst erst vor wenigen Wochen. Eine Familie sollte abgeschoben werden und war auch bis kurz vor dem Flug bereit dazu. Dann jedoch kippte die Stimmung. "Es gab Diskussionen mit dem Mann und die Frau weinte." Und so entschied man sich im letzten Moment gegen die Mitnahme. "Ich habe die Verantwortung für die Passagiere und die Crew. Wenn wir erst einmal in der Luft sind, kann es schwierig werden."

Schwangere und Kranke abschieben: Wie Behörden die Rückführungsquote steigern Monitor 17.01.2019 09:00 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Shafagh Laghai, Christina Zühlke, Shikiba Babori, Arezao Naiby

Stand: 03.03.2019, 12:37

Kommentare zum Thema

13 Kommentare

  • 13 Selfthinker 04.03.2019, 12:56 Uhr

    Ich fürchte es kommt zu einem Lerneffekt. Die Abzuschiebenden lernen, man muss nur genügt Widerstand leisten (.z. B. Polizisten attackieren)und Krawall machen, schon wird die Abschiebung abgebrochen.grün

  • 12 Hurgel 04.03.2019, 12:20 Uhr

    Bei 500 ( 180.000 im Jahr) Neuankömmlingen jeden Tag fallen die paar Abgeschobenen natürlich ins Gewicht. (Vorsicht Ironie). Man sollte sich angewöhnen, das Wichtige zunächst zu klären. Wollen wir eine derart hohe Zuwanderung oder nicht? Ich nicht. Bekommen wir die Zuwanderung runter, können wir bei der Abschiebung leichter ein Auge zudrücken.

  • 11 Bea 04.03.2019, 10:11 Uhr

    Was klappt in diesem Lande eigentlich noch???Abschiebungen doch schon mal überhaupt nicht,noch nicht mal von Mehrfachstraftätern zum Schutze der deutschen Bevölkerung.Man könnte sich ja mal ein Beispiel an anderen Ländern nehmen,wie Österreich oder Dänemark,da klappt es doch auch,was man hier leider nur vom anrollenden Familiennachzug und der Einseise weiterhin auch ohne gültige Papiere ,sagen kann!!!

  • 10 Bundeswehr? 04.03.2019, 07:48 Uhr

    Sollte die Bundesregierung nicht genug Flugzeuge (zumindest bei Sammelabschiebungen) haben, und dann mal eine Transall/A400M/A310 zur Verfügung stellen? Wieso begleiten keine Beamten die Ausreisepflichtigenden?

  • 9 Harry 04.03.2019, 01:38 Uhr

    Nein? Nicht? Wieso nicht?

  • 8 Werner Fichte 03.03.2019, 23:30 Uhr

    Für eine schwangere Migrantin ist es natürlich wie ein Lottogewinn, von einer deutschen Klinik aufgenommen worden zu sein. Menschlich absolut verständlich. Aber wollen wir jetzt alle Schwangeren Afrikas aufnehmen und behalten? Die Gefühlskomponente erschwert die Diskussion. Die Diskussion darf sich nicht an Emotionen orientieren, ansonsten wird sie unmöglich.

  • 7 Tom Tom 03.03.2019, 23:22 Uhr

    Das sind Leute, denen nach der GFK KEIN Schutz zusteht. Damit begehen sie Asylmissbrauch und müssen raus aus Deutschland - so einfach ist das...

  • 6 Harry 03.03.2019, 22:38 Uhr

    Was bringt es Länder als 'sichere Herkunftsländer'zu deklarieren wenn die Betroffenen kurz vor der Abschiebung Brechdurchfall oder Fußpilz bekommen oder die Obergutmenschenpartei von Frau Roth plötzlich rumheult?

  • 5 Harry 03.03.2019, 22:34 Uhr

    Schlauchboote sind billiger. Und Abschiebung sollte auch Abschiebung bleiben auch wenn die Betroffenen Fußpilz haben, vor allem von 'sicheren Herkunftsländern'.

  • 4 Harry 03.03.2019, 22:30 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)

  • 3 André 03.03.2019, 16:12 Uhr

    Die Behörden gehen notfalls über Leichen, sagte mir ein langjähriger Betreuer. es wird immer wieder versucht, Kranke u. Schwangere abzuschieben.

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