Abgesagte Reise – Gutscheine statt Geld

Auf einem Mundschutz steht "Corona", daneben auf einem Zettel "Urlaub fällt aus", im Hintergrund eine Palme

Abgesagte Reise – Gutscheine statt Geld

Von Ute Schyns

  • Verbraucher müssen bisher keine Gutschein akzeptieren
  • Bundesregierung macht sich für Gutscheinlösung stark
  • EU-Kommission zeigt sich bisher dafür wenig offen

Abgesagte Pauschalreisen

Rechtlich ist die Lage klar: Wenn der Veranstalter eine Reise wegen der Corona-Pandemie absagt, hat der Kunde einen Anspruch darauf, dass ihm der Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zurückgezahlt wird. So sieht es die EU-Pauschalreiserichtlinie vor. Auf freiwilliger Basis können Verbraucher zwar alternativ einen Reisegutschein akzeptieren – doch sie müssen es nicht.

Annullierte Flüge

Auch bei abgesagten Flügen ist die Rechtslage eindeutig. Für Verbraucher gelten in diesem Fall die europäischen Fluggastrechte. Danach können Kunden entscheiden, ob sie einen Gutschein akzeptieren oder das Geld zurück haben wollen. Besteht der Kunde auf eine Rückzahlung, ist die Airline verpflichtet, den Ticketpreis innerhalb von sieben Tagen zu erstatten.

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WDR 5 Morgenecho - Interview 13.05.2020 05:45 Min. Verfügbar bis 12.05.2021 WDR 5

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Musterbriefe

Die Verbraucherzentralen melden jedoch, dass viele Anbieter sich weigern, das Geld zurückzuzahlen, sondern statt dessen Gutscheine anbieten. Um es den Kunden leichter zu machen, ihre Erstattungsansprüche durchzusetzen, haben die Verbraucherzentralen entsprechende Musterbriefe ins Netz gestellt.

Es geht um Milliarden-Summen

Doch Branchenvertreter fürchten, dass Veranstalter Pleite gehen könnten, wenn alle Kunden auf eine Rückzahlung bestehen. Um der Reisebranche bei zu stehen, wollte die Bundesregierung auch für abgesagte Reisen und Flüge ein Gesetz für Gutscheinmodell auf den Weg bringen. Danach sollten Anbieter von der Verpflichtung zur Rückzahlung für eine begrenzte Zeit entbunden werden und alternativ auch Gutscheine ausgeben dürfen. In einem Brief hatte die Bundesregierung die EU-Kommission aufgefordert, in diesem Sinne auch das europäische Recht einheitlich neu zu regeln.

EU-Kommission hält nichts von Gutscheinpflicht

Außer Deutschland wollen auch einige andere EU-Länder eine Gutscheinlösung durchsetzen. Doch die EU-Kommission hat dem Drängen bisher nicht nachgegeben. Sie empfiehlt Gutscheinlösungen nur auf freiwilliger Basis. Außerdem sollten die EU-Länder die Gutscheine möglichst attraktiv ausgestalten und sie gegen eine Insolvenz des Anbieters absichern. Abgelaufene Gutscheine sollten gegen Geld eingetauscht werden können und möglichst flexibel sein.

Stand: 13.05.2020, 06:00

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