Recycling-Branche: "Einstieg von Lidl ist eine Zeitenwende"

Wiederverwertbarer Abfall wird in einer Müllsortieranlage der Firma Trienekens im Sortierwerk Krefeld mit einem Bagger umgeschichtet.

Recycling-Branche: "Einstieg von Lidl ist eine Zeitenwende"

Die Müllbranche sortiert sich. Zudem sollen ab 2019 einige Kunststoffverpackungen besser recycelbar sein, sagt NABU-Experte Michael Jedelhauser im Interview mit dem WDR am Freitag (12.10.2018). Doch mehr Recycling sei nicht garantiert.

WDR: Die Abfallbranche ist im Umbruch. Was ändert sich ab 2019 mit dem neuen Verpackungsgesetz?

Michael Jedelhauser vom Naturschutzbund Nabu

Michael Jedelhauser ist Referent für Kreislaufwirtschaft beim Naturschutzbund Nabu

Michael Jedelhauser: Das neue Gesetz soll Schlupflöcher weiter schließen, so dass sich alle Hersteller und Händler an der Verpackungsentsorgung finanziell beteiligen. Für die Verbraucher wird sich das finanziell wohl nicht lohnen: Bereits mit Einführung des Wettbewerbs zwischen den Dualen Systemen - vormals gab es nur einen Monopolisten - sanken die Entsorgungskosten um die Hälfte.

Weitergegeben haben die Hersteller diese Ersparnis an die Verbraucherinnen nicht. Derzeit soll jeder Einwohner circa 12,50 Euro im Jahr für die Verpackungsentsorgung zahlen.

WDR: Also kaum Verbesserungen?

Jedelhauser: Ab 2019 werden wohl einige Kunststoffverpackungen besser recycelbar sein mit der derzeitigen Abfallsortiertechnik. Mehr Recyclingkunststoff wird aber wohl in Verpackungen erst einmal nicht eingesetzt, obwohl dies wesentlich klimafreundlicher wäre.

WDR: Macht es für den Verbraucher einen Unterschied, wer den Verpackungsmüll entsorgt?

Jedelhauser: Solange die Serviceleistung stimmt (vor allem die Abfuhrrythmen), bemerkt man als Verbraucher keinen Unterschied. Indirekt macht die Qualität der Behandlung natürlich für jeden einen Unterschied. Je besser die Sortierung und damit das Recycling, desto besser fürs Klima.

WDR: Bezahlt ein Unternehmen konkret für die Entsorgung seines Mülls?

Jedelhauser: Jeder zahlt nur für seine Verpackungsmengen. Zukünftig sind die Dualen Systeme angehalten, die sogenannten Lizenzentgelte ökologisch zu staffeln: Wer mehr Recyclingkunststoff einsetzt, soll weniger bezahlen.

Das steht aber dem Wettbewerb zwischen den Dualen Systemen entgegen, denn die bieten Großfirmen wie Aldi oder Lidl besonders günstige Preise an, zum Beispiel pro Tonne Kunststoff. So kann ein kleiner Betrieb trotz ökologischer Verpackung am Ende mehr zahlen als ein großer, der konventionellen Kunststoff einsetzt.

WDR: Und dann will nun auch der Discounter Lidl im Müllgeschäft mitmischen. Was bedeutet das?

Jedelhauser: Der Einstieg der Schwarz-Gruppe mit seinem Flagschiff Lidl in den Markt der dualen Systeme ist eine Zeitenwende.

Verpackungsmüll: Recyclingmarkt in Bewegung

WDR 5 Profit - Topthemen aus der Wirtschaft | 11.10.2018 | 04:37 Min.

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WDR: Was ändert sich dadurch?

Jedelhauser: Nun steigt ein Inverkehrbringer erstmals auch in den Entsorgungsmarkt ein. Das könnte Schule machen. Offen bleibt allerdings, ob das auch tatsächlich zu mehr Kreislaufwirtschaft führt. Theoretisch könnte dies eintreten, da es nun Konzerninteresse ist, Kunststoffe recyclingfähiger zu machen.

Stand: 12.10.2018, 10:00

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