Abbiege-Unfälle: Was bringen Lkw-Assistenzsysteme?

Abbiege-Unfälle: Was bringen Lkw-Assistenzsysteme?

Von Frank Menke

  • NRW: Tödliche Unfälle durch abbiegende Lkw
  • Abbiege-Assistenzsysteme nicht fehlerfrei
  • Abbiege-Unfälle haben immer individuelle Ursachen

"Wir haben im Großraum Köln einen Schwerpunkt mit tödlichen Lkw-Rechtsabbiegeunfällen in Deutschland. 15 Tote gab es allein hier in den vergangenen acht Jahren", sagte Vorstand Rüdiger Ostrowski vom NRW-Verband Spedition und Logistik dem WDR am Mittwoch (13.02.2019). Tags zuvor war in Aachen eine Radfahrerin durch einen abbiegenden Lkw getötet worden. Verkehrsexperten sind sich grundsätzlich einig: Abbiege-Assistenzsysteme in Lkw können solche Unfälle verhindern. Doch es gibt Tücken.

Eine EU-weite Regelung für den verpflichtenden Einbau der Assistenzsysteme in alle Lkw soll erst 2024 kommen. Christoph Schmidt, Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Köln, greift deshalb eine Idee der Grünen auf: "Wir würden uns wünschen, übergangsweise eine deutsche Regelungen zu schaffen." Auf Basis eines Gutachtens der grünen Bundestagsfraktion würde der ADFC Lkw ohne Abbiege-Assistenten aus den Städten verbannen - so wie es in London praktiziert wird. Das sei rechtlich möglich.

Systeme nicht fehlerfrei

Laut Schmidt können Lkw-Assistenzsysteme aber "nur eine Ergänzung zum aufmerksamen Abbiegen" durch den Fahrer sein. Sich nur auf den Assistenten zu verlassen, funktioniere nicht und sei auch deshalb gefährlich, weil die Systeme nicht fehlerfrei arbeiteten.

So funktioniert ein Abbiege-Assistent

WDR 2 26.07.2018 02:54 Min. WDR 2

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Schmidt zufolge müssten viele Lkw-Fahrer richtiges Abbiegen viel stärker lernen: "Da gibt es wunderbare Erklärungen von der Berufsgenossenschaft Verkehr, die niemand kennt. Die Spiegel sind häufig nicht richtig eingestellt, weil es in den Speditionshöfen keine Spiegeleinstell-Plätze gibt. Um das richtig zu machen, braucht man eine Viertelstunde Zeit."

Nur Scheinsicherheit?

Der Verband Spedition und Logistik NRW, der knapp 500 Betriebe vertritt, pocht auf zuverlässige Systeme. Die derzeitigen, zwischen etwa 1.500 und 8.000 Euro teuren Abbiegeassistenten am Markt gäben eine Scheinsicherheit, weil der gesamte tote Bereich an der rechten Seite beim Abbiegen nach wie vor nicht richtig abgebildet werden könne, so Ostrowski.

Die NRW-Spediteure nehmen Automobilhersteller und Zulieferer in die Pflicht, "ein gutes und für alle Fahrzeugtypen gleiches System zu entwickeln". Das müsse dann für alle verbindlich eingeführt werden, so dass es wettbewerbsneutral sei. Heißt: gleiche Kosten für alle.

Präventiv hat der NRW-Speditionsverband in einer Arbeitsgruppe mit der Polizei Leverkusen Abbiegeunfälle analysiert um herauszufinden, ob es Muster gebe. Ostrowski: "Es gibt keine. Diese Unfälle haben immer individuelle Ursachen."

Stand: 13.02.2019, 19:33

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