Disput um Pfefferspray-Einsatz im Tagebau Hambach

Demonstranten unter einem Bagger auf dem Hambach-Gelände

Disput um Pfefferspray-Einsatz im Tagebau Hambach

  • Polizei zieht positive Bilanz des Einsatzes im Tagebau Hambach
  • Polizeipräsident rechtfertigt den Einsatz von Pfefferspray
  • Umweltaktivisten sprechen von "dreister Darstellung"

Der Einsatz von Pfefferspray gegen Umweltaktivisten im Tagebau Hambach erregt auch noch am Montag (06.11.2017) die Gemüter. Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach zog eine positive Bilanz der Polizeiarbeit bei den Protesten von Braunkohlegegnern am Sonntag (05.11.2017). Das Aktionsbündnis "Ende Gelände", das zu der Demo aufgerufen hatte, widersprach Weinspachs Darstellung.

Im Fokus der Aufarbeitung steht ein in den sozialen Medien verbreitetes Bild. Es zeigt einen Polizeibeamten, der einem Aktivisten Pfefferspray ins Gesicht sprüht. Der Aktivist ist Teil einer Sitzblockade im Tagebau.

Polizeipräsident spricht von Tumulten

Der Einsatz des Pfeffersprays sei nicht aus Rücksichtslosigkeit passiert, sagte Weinspach. Was das Bild nicht zeige: Im Hintergrund habe es Tumulte zwischen anderen Aktivisten und der Reiterstaffel gegeben. Als sich Demonstranten aus der Sitzgruppe einmischen wollten, habe der Beamte das Spray eingesetzt, um das zu verhindern.

Weinspach räumte allerdings ein, dies habe nicht den Leitlinien des Einsatzes entsprochen. Aber - so der Polizeipräsident wörtlich - fast 99 Prozent des Einsatzes-Konzeptes sei aufgegangen.

Aktivisten: "Dreiste Darstellung des Polizeipräsidenten"

Janna Aljets, Sprecherin von "Ende Gelände", widersprach gegenüber dem WDR den Ausführungen des Polizeipräsidenten: "Diese Darstellung ist dreist. Polizeipferde sind ohne Grund in eine Menschenmenge hinter der Sitzblockade geritten. Aktivisten wurden bedrängt, eine Aktivistin von einem Pferd getreten und verletzt. Durch die Polizeiaktion wurde die Situation sehr unübersichtlich."

Die unübersichtliche Lage habe die Polizei dann ausgenutzt, um Pfefferspray einzusetzen. "Das war definitiv unverhältmäßig, weil von unseren Aktivisten keine Eskalation ausging. Wir sind schockiert", so Aljets.

Laut Veranstalter hatten am Sonntag 4.500 Umweltaktivisten mit Blockade-Aktionen für den Kohleausstieg demonstriert. Am späten Nachmittag hatte die Polizei erklärt, die Veranstaltung sei nach Straftaten aufgelöst worden.

Stand: 06.11.2017, 15:25