Chemiker der RWTH Aachen für Europäischen Erfinderpreis nominiert

Chemiker der RWTH Aachen für Europäischen Erfinderpreis nominiert

Von Silvia Andler

Für ein Verfahren, CO2 als Rohstoff zu nutzen und daraus Alltagsgegenstände herzustellen, hatte der Chemiker Walter Leitner am Abend die Chance auf den Europäischen Erfinderpreis.

Auch wenn am Ende in der Kategorie "Industrie" ein Kollege aus Norwegen die Nase vorn hatte. Für Walter Leitner und seinen Kollegen Christoph Gürtler war es eine große Ehre, als zwei von nur vier deutschen Forschern für den Preis nominiert worden zu sein. Insgesamt hatte die Jury zwischen 15 Erfindungen zu entscheiden.

Leitner und sein Team haben ein Verfahren entwickelt, das Kohlenstoffdioxydabfälle nutzt, um daraus Alltagsgegenstände aus Kunststoff herzustellen. An der Idee, CO2-Abfälle als Rohstoff zu nutzen, forschen Wissenschaftler bereits seit 25 Jahren. Erst jetzt aber ist es Leitner und seinen Kollegen gelungen, das Verfahren so effizient zu machen, dass es sich für industrielle Anwendungen lohnt.

RWTH-Professor für Europäischen Erfinderpreis nominiert 03:47 Min. Verfügbar bis 17.06.2022

Mit Kohlendioxydabfällen zu grünerem Kunststoff

Mit seiner Erfindung hat der Aachener Professor, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion ist, die Chemie ein Stück grüner gemacht. Sportschuhe, Socken, Matratzen, Dämmstoffe für Häuser oder Kunstrasen auf Sportplätzen könnten damit künftig umweltfreundlicher hergestellt werden. Für die Produktion von Kunststoff benötigt man Erdöl. Bei dem von Walter Leitner und Christoph Gürtler entwickelten Verfahren werden 10 bis 20 Prozent dieses fossilen Energieträgers durch CO2 ersetzt. Damit wird der Abfallstoff recycelt, der Energieverbrauch reduziert und der Weg für eine nachhaltige Fertigung geebnet. Außerdem können weitere umweltrelevante Probleme durch die Nutzung von CO2 positiv beeinflusst werden, wie die Überdüngung von Gewässern oder die Schädigung der Ozonschicht.

Grundidee der Natur nachgebildet

Auch die Natur gebraucht CO2 in der Photosynthese. Pflanzen nutzen Licht, Wasser und eben Kohlendioxyd, um daraus Sauerstoff und Glucose zu gewinnen. Das habe Chemiker schon immer fasziniert, schwärmt Walter Leitner. Durch die Nutzung fossiler Rohstoffe falle CO2 in riesigen Mengen als Abfallstoff an. Den zu verwenden, um daraus etwas Alltagstaugliches herzustellen, habe ihn schon immer fasziniert. Erst mit dem Industriepartner Covestro sei das aber in großem Stil gelungen. Dass ein Unternehmen 5.000 Tonnen des Stoffs produzieren und daraus Alltagsprodukte entwickeln könne, sei ein neuer Schritt.

Der Europäische Erfinderpreis wird jedes Jahr vom Europäischen Patentamt mit Hauptsitz in München vergeben.

Stand: 17.06.2021, 20:30