Warnstreiks im öffentlichen Dienst - jeden Tag ein bisschen mehr Druck

Warnstreiks im öffentlichen Dienst - jeden Tag ein bisschen mehr Druck

Im öffentlichen Dienst stehen die Zeichen auf einen langen Arbeitskampf. In einzelnen Bereichen von vier NRW-Städten kam es am Dienstag zu ersten Warnstreiks. Heute geht es weiter - in sechs anderen NRW-Städten sowie im Kreis Minden-Lübbecke.

Müllabfuhr, Stadtverwaltungen, städtische Kliniken: Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst werden in den kommenden Tagen und Wochen ausgeweitet, sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke. Am Dienstag ging es mit Warnstreiks in vier NRW-Städten los, am Mittwoch geht es in sechs anderen Städten und Kreisen weiter: Köln, Schwerte, Kamen, Bergkamen, Oberhausen Solingen und im Kreis Minden-Lübbecke.

Punktuelle Arbeitsniederlegungen am Mittwoch - ein Überblick:

Warnstreik in Köln

In Köln rechnet die Gewerkschaft für Mittwoch mit rund 300 Menschen, die ihre Arbeit bei den Stadtwerken und zwei weiteren kommunalen Unternehmen niederlegen.

Warnstreiks in Schwerte, Kamen, Bergkamen und Oberhausen

In Schwerte sind planmäßig die Stadtverwaltung und die Wasserwerke Westfalen vom Arbeitskampf betroffen. In Kamen, Bergkamen und Oberhausen soll es ebenfalls zu Warnstreiks kommen.

Warnstreik in Solingen

In Solingen werden ebenfalls die Verwaltung sowie die Stadtwerke bestreikt. Einzelne Kitas könnten geschlossen werden.

Warnstreik im Kreis Minden-Lübbecke

Im Kreis Minden-Lübbecke sollen Mitarbeiter in der Kreisverwaltung und in Kliniken die Arbeit niederlegen. Die Warnstreikenden wollen eine Art Menschenkette ums Klinikum in Minden bilden.

Streik-Auftakt am Dienstag

In einzelnen Bereichen des Öffentlichen Dienstes hatte es am Dienstag in vier NRW-Städten erste Warnstreiks gegeben. Rund 700 Angestelllte in Gütersloh, Unna, Duisburg und Remscheid legten nach Angaben der Gewerkschaft Verdi die Arbeit nieder.

Krankenhäuser und Kitas betroffen

In Gütersloh seien zwei Kitas geschlossen worden, und in zehn weiteren Kitas habe es wegen großer Personallücken nur Notgruppen geben können, sagte eine Verdi-Sprecherin. Heute soll es weitere punktuelle Arbeitsniederlegungen in Kitas im Land geben.

Zudem waren Krankenhäuser, Stadtverwaltungen, Stadtwerke und Recyclinghöfe in Unna, Remscheid und Duisburg betroffen.

Verdi will damit Druck im aktuellen Tarifkonflikt machen. Die Gewerkschaft fordert ein Einkommensplus von 4,8 Prozent und mindestens 150 Euro im Monat.

Verdi will Aktionen ausweiten

Verdi-Chef Frank Werneke sprach gegenüber dem WDR von einer "sehr guten Beteiligung" an den Warnstreiks, die auch in anderen deutschen Städten stattfinden. "Wir fangen mit sehr lokalen und betriebsbezogenen Aktivitäten an und werden dies in den nächsten Wochen ausbauen", kündigte der Gewerkschafter an.

Für die kommunalen Arbeitgeber sitzt Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge (SPD) am Verhandlungstisch. Er nannte gegenüber dem WDR die Verdi-Forderungen "überzogen" und stellte sich auf weitere harte Verhandlungen ein.

Bislang noch geringe Auswirkungen

Die Auswirkungen des Tarifkonflikts auf die Bürger sind insgesamt noch gering, das könnte sich in den nächsten Tagen und Wochen aber ändern. An betroffenen Krankenhäusern könnten geplante Operationen verschoben werden. Notoperationen werden aber überall weiterhin stattfinden.

Sorge vor Streiks an städtischen Kitas

Die Sorge über Kita-Streiks - auch in den kommenden Tagen und Wochen - ist bei vielen Eltern groß. "Wenn es länger als einen Tag dauert, wird das problematisch", sagte Daria Pieper dem WDR, deren Sohn Anton eine Kita in Gütersloh besucht.

Cornelia Spachtholz vom Verband berufstätiger Mütter findet die Warnstreik-Aktion in Corona-Zeiten "unsensibel" - auch wenn sie dafür eintritt, dass Erzieherinnen und Erzieher "unbedingt" besser bezahlt werden müssen. "Aber es ist für Eltern und Kinder jetzt der falsche Zeitpunkt, höhere Löhne per Streik durchsetzen zu wollen", betonte sie. Zumal die Kinder ja derzeit auch nicht von der Corona-Risikogruppe Großeltern betreut werden könnten.

DIW-Präsident Fratzscher nennt Warnstreiks "falsches Signal"

Für Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sind die Warnstreiks das "falsche Signal". Der WDR-Sendung "Eins zu eins" sagte er, er halte es in guten Zeiten "für legitim, dass die Gewerkschaften sagen, wir wollen einen Teil vom Kuchen abhaben". In Zeiten wie diesen müsse es indes darum gehen, Arbeitsplätze zu sichern.

Er kenne kein Unternehmen, das aktuell sage, es gebe richtig dicke Erträge, jetzt könne man sich dicke Lohnerhöhungen leisten, so Fratzscher. Das Interview mit ihm wird am Mittwoch um 9.55 Uhr im WDR Fernsehen ausgestrahlt.

Warnstreiks I Corona-Immunitätsausweis I Merz I 0630

0630 by WDR aktuell 22.09.2020 15:37 Min. Verfügbar bis 22.09.2021 WDR Online

Download

Warnstreiks mitten in der Pandemie

WDR 5 Morgenecho - Medienschau 22.09.2020 03:48 Min. Verfügbar bis 22.09.2021 WDR 5

Download

Stand: 23.09.2020, 08:44

Aktuelle TV-Sendungen