WDR 2 Video sorgt für Diskussionen

WDR 2 Video sorgt für Diskussionen

  • Satire-Video sorgt für Diskussionen
  • Empörung im Netz
  • Redaktion entschuldigt sich

Eine Satire des Liedes "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad" hat eine Empörungswelle ausgelöst. In einem  Online-Video des Radiosenders WDR 2 sangen rund 30 Mädchen im Studio unter anderem die Zeilen: "Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad. Das sind tausend Liter Super jeden Monat. Meine Oma ist "ne alte Umweltsau". Auch die Themen billiges Discounterfleisch und Kreuzfahrten werden in der Satire nicht ausgespart.

Video sollte Generationenkonflikt aufgreifen

Mit dem Video wollte die Redaktion den "Generationenkonflikt, der sich durch die Fridays-for-Future-Bewegung darstellt, mit den Mitteln der Satire aufgreifen". Doch der Beitrag ärgerte viele: "Warum sendet man so einen Unverschämtheit?", schrieb eine Nutzerin empört auf Facebook über das Lied. "Unterirdisch", "unterstes Niveau", "eine einzige Frechheit", meinten andere.

Einige aber zeigten auch Verständnis: "Wenn man das Alter der Kinder beachtet, sind die heute 50-70-Jährigen gemeint (...) Da steckt schon wahres drin."

Politiker und Satiriker äußern sich

Auch Satiriker Jan Böhmermann äußerte sich: "Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau". NRW Ministerpräsident Armin Laschet kritisierte, der WDR habe mit dem  Lied "Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten", so Laschet auf Twitter. "Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel." WDR-Intendant Tom Buhrow bezeichnete das Lied als Fehler und entschuldigte sich "ohne Wenn und Aber".

Empörungswellen: "Symbolische Aufladung von Themen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 31.12.2019 05:54 Min. Verfügbar bis 29.12.2020 WDR 5

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WDR 2 Programmchef stellt sich Kritik

WDR 2 hat das Video bei Facebook gelöscht, auch um die Kinder zu schützen, so WDR 2 Programmchef Jochen Rausch. "Umweltsau finde ich unpassend, das passt nicht zur Omi. Das war nicht so gemeint, ist aber so aufgefasst worden. Der Fehler liegt bei uns, dafür entschuldige ich mich". Am Samstag-Abend stellte sich Rausch in einer Radiosendung der Kritik der Hörer.

WDR 2 Spezial: Ihre Meinungen zum Satire Video

WDR 2 28.12.2019 31:33 Min. Verfügbar bis 27.12.2020 WDR 2

Chorleiter weist Vorwurf zurück

Die Leitung des WDR-Kinderchors Dortmund hat den Vorwurf zurückgewiesen, die Kinder seien instrumentalisiert worden. "Ich möchte mich als beteiligter Musiker bei allen entschuldigen, die sich trotz der Einordnung als Satire von uns persönlich angegriffen fühlen", so die Stellungnahme auf der Internetseite des Chores.

Den teilnehmenden Kindern sei erklärt worden, dass mit Überspitzung und Humor der Konflikt zwischen den Generationen aufs Korn genommen werden solle, erklärte der künstlerische Gesamtleiter Zeljo Davutovic. Kinder und Eltern hätten freiwillig entscheiden können, ob sie an dem Projekt teilnehmen. Weiter teilt der Chor mit: Zahlreiche Auftritte in Seniorenheimen dokumentierten die generationsübergreifende Arbeit der Kinderchors. "Wir haben in den vergangenen Jahren immer allergrößten Respekt vor Seniorinnen und Senioren gezeigt. Diesen werden wir uns auch in Zukunft nicht nehmen lassen."

Vor einem WDR-Gebäude in der Kölner-Innenstadt demonstrierten am Sonntag-Nachmittag rund 100 Menschen gegen das Video. An der Demonstration hatten nach Angaben der Polizei etwa 20 mutmaßliche Mitglieder der extrem rechten Bruderschaft Deutschland teilgenommen. Gegen die Kundgebung protestierten etwa 15 Frauen und Männer unter dem Motto "Omas gegen Rechts".

Kontroverse Reaktionen auf Tweet von WDR-Mitarbeiter

Neben dem Video sorgte auch der Tweet eines freien Mitarbeiters des WDR, der in Anlehnung an die Formulierung "Umweltsau" von "Nazisau" sprach, für viel Kritik bis hin zu Gewaltdrohungen. Der betreffende Mitarbeiter hat den Tweet auf seinem privaten Twitter-Account veröffentlicht. Der WDR distanziert sich von Form und Inhalt des Tweets und verurteilt zudem Gewaltaufrufe jeglicher Art. Mittlerweile hat sich auch der Mitarbeiter öffentlich entschuldigt.

Stand: 30.12.2019, 20:32

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