Kritik an möglicher 3G-Regel in Zügen: "Weltfremde Idee"

Kritik an möglicher 3G-Regel in Zügen: "Weltfremde Idee"

Von Peter Hild

Die Bundesregierung lässt eine mögliche 3G-Vorschrift in Fernzügen und auf Inlandsflügen prüfen. Bei Verkehrsverbünden und Streckenbetreibern in NRW hält man von den Plänen wenig.

Detlef Neuß hat zum Vorschlag der Bundesregierung für eine mögliche 3G-Regel - also die Nutzung nur für Geimpfte, Getestete oder Genesene - in Zügen und auf Inlandsflügen eine klare Meinung. "Das ist eine weltfremde Idee, weil eine wirkliche Kontrolle der Einhaltung dieser Maßnahme überhaupt nicht möglich wäre", sagt der Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn.

Das Bundesverkehrsministerium soll prüfen, inwieweit eine Einführung umsetzbar ist. Das bestätigte am Freitag Regierungssprecher Steffen Seibert. Der Vorschlag ist eine Reaktion auf die deutlich steigenden Infektionszahlen der vergangenen Tage. In Zügen und auf Inlandsflügen gilt bisher "nur" die Maskenpflicht. Offenbar ist die Sorge groß, dass sich Ungeimpfte dort unter vielen Menschen auf engem Raum infizieren oder das Virus in der aktuell vierten Welle weitergeben könnten.

Fehlende Kontrollierbarkeit als zentrale Kritik

Bundespolizisten kontrollieren im Kölner Hauptbahnhof

Viele Verkehrsverbünde in NRW halten von der Idee wenig. Wer solle das überhaupt kontrollieren und welche Mitarbeiter könnten das noch zusätzlich leisten, fragt etwa der Verkehrsverbund Rhein-Sieg. Wenn überhaupt, ginge das nur über eine abgestimmte Lösung unter allen Verbünden, um ein Regelchaos zu verhindern.

Die Deutsche Bahn wollte sich bisher nicht zu den Plänen äußern. Private Eisenverkehrsunternehmen, die auch zahlreiche Strecken in NRW betreiben, sind aber ebenfalls skeptisch. "Wir können uns nicht vorstellen, wie das funktionieren würde. Wir haben weder das Personal, das das stemmen könnte, noch ist es tatsächlich technisch umsetzbar", erklärt Steffen Högemann von der Nordwestbahn.

Luftverkehrsverband hält neue Regel für unnötig

Am Düsseldorfer Hauptbahnhof sind die Meinungen der Fahrgäste gespalten: Die einen würden sich mit der 3G-Regel noch sicherer fühlten, andere kritisierten den nötigen Mehraufwand und damit eine Benachteiligung für Ungeimpfte.

Bei den Inlandsflügen wollte sich Eurowings als große Airline am Düsseldorfer Flughafen bisher nicht äußern. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hält die 3G-Regel an Bord allerdings nicht für nötig. Man habe seit über einem Jahr etablierte Hygienekonzepte, heißt es dort, die auch ausweislich der Berichte des Robert Koch-Instituts gut funktionierten.

Stand: 27.08.2021, 18:54

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