Hauptbahnhof Köln: Seit 125 Jahren am falschen Ort

Hauptbahnhof Köln: Seit 125 Jahren am falschen Ort

Von Jens Gleisberg

  • Enge am Kölner Hauptbahnhof wird zum Problem
  • Bis zu 280.000 Reisende täglich
  • Pläne für An- und Umbauten

Es ist alles sehr eng am Kölner Hauptbahnhof. Denn der Hauptbahnhof steht am falschen Platz. Die Kathedrale des Verkehrs liegt im Schatten der echten Kathedrale: Des Kölner Doms. Und das hat vernehmbare Folgen.

Die Kurve ist eng, wo die Züge nach der Überquerung des Rheins von der Hohenzollernbücke in den Hauptbahnhof einfahren. Zu eng.

Das Quietschen haben die Kölner dem Hohenzollernkönig Wilhelm II. zu verdanken. Er wollte, dass die Brücke schnurstracks auf den Dom zuführt und die Gleise dann scharf nach rechts abbiegen.

Hauptbahnhof Köln: Seit 125 Jahren am falschen Ort

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 25.05.2019 03:14 Min. WDR 5 Von Jens Gleisberg

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Seit dem rapiden Anstieg des Zugverkehrs in den 1920er-Jahren haben die Kölner immer wieder überlegt, den Hauptbahnhof zu verlegen. Das Quietschen nahm Ende der Siebzigerjahre noch zu. Denn ein Bahnsteig für den zunehmenden S-Bahnverkehr wurde angebaut. Aber auch der reicht schon lange nicht mehr, beklagen Fahrgäste.

Erneuter Umbau angestrebt

Archivbild 23.10.2017: Lutz Lienenkämper

Lutz Lienenkämper

Deswegen wird seit langem geplant, den Hauptbahnhof erneut zu erweitern. Noch einen Bahnsteig soll es geben. Um den gesamten Bahnverkehr in NRW zu beschleunigen, sagt Minister Lutz Lienenkämper: "Der Kölner Hauptbahnhof gehört als allererste Stelle dazu, denn da ist bei den Gleisen viel zu wenig Kapazität für die S-Bahn, denn da knubbeln sich die Menschen. Und deswegen braucht der Bahnhof diese zwei zusätzlichen Gleise sicherlich für die Zukunft ganz dringend."

Das hat Lienenkämper vor zehn Jahren gesagt. Als Bauminister. Da fehlte ihm das Geld. Jetzt ist er Finanzminister. Aber noch hat sich nichts getan am Bahnhof. Derzeitige Prognose: Bis 2030 soll ein weiteres Gleis kommen.

Vision: Hauptbahnhof unter Tage verlegen

Architekt Paul Böhm vor Baugerüst.

Architekt Paul Böhm

An der grundsätzlich misslichen Lage des Hauptbahnhofs neben dem Dom ändert eine Erweiterung aber nichts, kritisiert der bekannte Kölner Architekt Paul Böhm - und schlägt eine spektakuläre, zukunftsweisende oder vielleicht einfach nur irre Idee vor.

Die ganze Bahnstrecke soll in einem Tunnel verschwinden und erst auf der anderen Rheinseite wiederauftauchen. Und die bisherigen Gleise will er begrünen. "Ich glaube, dass es wichtig ist, dass wir eine Gesamtplanung haben, die nicht nur Up-to-date ist, sondern die Up-to-tommorrow ist."

Neugestaltung des Kölner Hbf: "Stadt ihr Herz zurückgeben"

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 17.05.2019 06:17 Min. WDR 5

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Ist das die Zukunft des Kölner Hauptbahnhofs? Angesichts der Probleme beim Bau des Stuttgarter Tunnelbahnhofs wird sich mancher Techniker bei der Bahn mit Grauen abwenden. Böhm aber will jetzt erstmal Fakten sammeln. Ob das mit dem Tunnelbahnhof geht. Sein allererstes Argument: Der Hauptbahnhof steht am falschen Platz. Seit 125 Jahren.

Zu sehen ist eine begrünte Bahntrasse, die aus beiden Seiten des Kölner Hauptbahnhofs hinaus führt. Links im Bild ist der Kölner Dom zu sehen.

Architektenplan für neuen Kölner Hauptbahnhof

Stand: 25.05.2019, 19:52

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