100 Tage Laschet als CDU-Vorsitzender - Es bleibt nicht viel Zeit

Armin Laschet steht am 16. Januar 2021 auf dem CDU-Parteitag am Rednerpult und zeigt mit einem Zeigefinger in Richtung Kamera

100 Tage Laschet als CDU-Vorsitzender - Es bleibt nicht viel Zeit

Seit 100 Tagen ist Armin Laschet Parteivorsitzender der CDU. Eine kurze, aber dennoch turbulente Zeit. Bis zur Bundestagswahl liegt noch viel Arbeit vor dem NRW-Ministerpräsidenten und Kanzlerkandidaten.

Armin Laschet übernimmt das Amt des Parteichefs Mitte Januar - und musste gleich eine ganze Serie von Tiefschlägen verdauen. Miese Ergebnisse bei den Landtagswahlen im Südwesten, die Maskenaffäre um raffgierige Unionsabgeordnete. Und bundesweit Frust über den verpatzten Impfstart der Bundesregierung mit schlechten Umfragewerten von 25 Prozent für die Union.

Vertraute wie NRW-Bauministerin Scharrenbach sehen darin nur ein paar Startschwierigkeiten. Schließlich fielen diese Dinge nicht in Laschets Verantwortung. Der kündigte nach der Wahl an: "Klartext zu reden, aber nicht zu polarisieren." Sein Politikstil.

Wo ist Unterstützung von Merkel?

Doch dann zeigt sich Laschet beim Corona-Krisenmanagement in den Augen vieler wankelmütig, unentschlossen. Erst trägt er den strammen Kurs der Kanzlerin mit - dann will er lockern. Merkel weist ihn per Fernsehtalkshow zurecht. 

Dieser Vorfall zeigt sein Kernproblem: er ist Vorsitzender unter einer Kanzlerin mit historisch langer Amtszeit - und die tut wenig, um den Vorsitzenden ihrer Partei zu unterstützen. Sein Spielraum: begrenzt.

Es fehlen Verbündete

Als er antritt, Kanzlerkandidat zu werden, spürt er schnell: Auch in der Partei fehlen Verbündete. Seine rheinisch-joviale Art, sein differenzierter Kurs in der Pandemiebekämpfung - das empfinden viele als zu weich. Zu unentschlossen.

Bayerns CSU-Ministerpräsident Markus  Söder punktet dagegen mit scharfem Verbotskurs, mit Rufen nach Lockdown und Ausgangssperre. Das kommt an - vor allem in der Ost-CDU, die sich nach straffer Führung sehnt. Die Wahlen bestehen muss.

Söder und die Umfragen

Als Söder am 11. April seinen Hut in den Ring wirft, weiß Laschet: Er muss kämpfen.  Neben der CSU kommt Unterstützung für Söder auch aus Berlin oder Sachsen-Anhalt. Ministerpräsidnent Haselhoff sagt damals über Laschet: „Es hilft nichts, wenn jemand nach allgemeiner Überzeugung absolut kanzlerfähig ist, aber dieses Amt nicht erreicht, weil die Wählerinnen und Wähler ihn nicht lassen." In den Umfragen und bei der Basis liegt Söder deutlich vorne.

Kanzlerkandidatur: Tiefe Gräben aufgerisssen

Armin Laschet nutzt seine wohl einzige Chance: Als Chef der größeren Schwesterpartei besteht er auf dem Zugriff auf die Kanzlerkandidatur. Versammelt die Spitzen der CDU hinter sich. Das ist riskant: Söder wirft ihm vor, seine Kandidatur in "Hinterzimmern" auszukungeln - gegen den Willen der Basis. Doch letztendlich kürt ihn der CDU-Bundesvorstand. Ein demokratisch gewähltes Gremium, das alle Strömungen der Partei repräsentiert. Dem muss sich auch Söder beugen.

Doch da sind tiefe Gräben aufgerissen in der Partei. Von einer "Katastrophe" sprechen Ost-CDUler angesichts des Kanzlerkandidaten. Sie zweifeln an seinen Erfolgschancen - und die Umfragen sind auch danach.

Merz soll helfen - neuer Ärger mit Maaßen

Friedrich Merz gratuliert Armin Laschet

Laschet weiß: Er muss die Partei einen. Und so holt er seinen alten Widersacher Friedrich Merz in sein Team. Ein Angebot an Konservative und Wirtschaftsliberale. Und ein neuer Stil: Unter Merkel war kein Platz für Persönlichkeiten mit eigenem Profil und abweichenden Meinungen. 

In einem Wahlkampf gegen eine junge grüne Spitzenkandidatin mit reichlich Rückenwind wird Laschet mehr brauchen: Frauen, Junge und Menschen aus Migrantenfamilien. Doch erstmal gibt´s neuen Ärger: Der umstrittene ehemalige Verfassungsschutzpräsident Maaßen wurde in Thüringen als Kandidat für ein Bundestagsmandat aufgestellt.

Wieder ein Rückschlag bei der Aufholjagd. Bis zum Herbst bleibt nicht allzu viel Zeit, die Partei neu aufzustellen - und das eigene Image aufzupolieren.

Stand: 01.05.2021, 17:28

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