NRW klingt: Musikinstrumente und ihre Macher

NRW klingt: Musikinstrumente und ihre Macher

Von Olaf Karnik und Volker Zander

Hinter einem Ton steckt mehr als nur Musik. Scala besucht die Werkstätten von Musikinstrumentenmachern und stellt außergewöhnliche Instrumente vor.

Musik aus Blech – und aus Dortmund: Seit Jahrzehnten produzieren Eckhard Schulz (rechts) und sein Mitarbeiter Martin Speck die besten Steeldrums der Welt. Das Rohmaterial sind ganz normale Ölfässer, denen die Instrumentenmacher Töne und vor allem harmonische Obertöne entlocken.

Musik aus Blech – und aus Dortmund: Seit Jahrzehnten produzieren Eckhard Schulz (rechts) und sein Mitarbeiter Martin Speck die besten Steeldrums der Welt. Das Rohmaterial sind ganz normale Ölfässer, denen die Instrumentenmacher Töne und vor allem harmonische Obertöne entlocken.

Steel Drums – hier das Modell Classic – waren einst ein Instrument des Widerstands: Weil die britischen Besatzer in den 1930er Jahren in Trinidad und Tobago den Einsatz von Trommeln im Karneval verboten hatten, baute die afro-karibische Bevölkerung ausrangierte Ölfässer zu Musikinstrumenten um.

Das "Carbophon" von Andreas Oskar Hirsch aus Köln strahlt eine eigensinnige Ordnung aus. Sein Vorbild ist die afrikanische Kalimba, das so genannte "Daumenklavier". Im Gegensatz dazu ist das Carbophon aber stimmbar und hat eine Menge klingender Elemente dazubekommen.

Über 15 Jahre Entwicklung liegen in diesem Instrument, das auch als Skulptur im Museum durchgehen würde. "Das Carbophone ist einerseits ein Werkzeug für meine Musik", sagt sein Schöpfer Andreas Oskar Hirsch. "Gleichzeitig ist mir die Optik des Instrumentes und die Haptik, die Verarbeitung, wichtig."

Der Bochumer Christoph Kemper ist stolz auf seinen digitalen Gitarrenverstärker, den "Kemper Profiler". Das Prinzip: Musiker erstellen sich zu Hause ein Klangprofil ihrer alten Röhrenverstärker und spazieren mit einer digitalen Kopie zum Konzert. Vor allem im Heavy-Metal-Bereich hat der Profiler eingeschlagen.

In der Dachbodenwerkstatt des Mülheimer Gitarrenbauers Dirk Jungbluth gibt es viel Holz. Seit 1977 baut der gelernte Tischler professionelle Gitarren – und seit einigen Jahren auch Ukulelen. Die stammen ursprünglich nicht etwa aus Hawaii, sondern wurden von portugiesischen Einwanderern nach Polynesien importiert.

Seit dem viralen Hit "Somewhere Over The Rainbow" des hawaiianischen Sängers Israel Kamakawiwoʻole, genannt IZ, will auch im Westen jeder Ukulele spielen. In einwöchigen Kursen zeigt Dirk Jungbluth den Teilnehmern, wie leicht es ist, eine Ukulele selbst zu bauen - und sei es wie hier aus einer Thunfischkonserve.

Der Kölner Thomas Meixner hat früh angefangen, Instrumente für sich zu bauen, die es bis dato nicht gibt. Für die Aufführung von Harry Partchs Musiktheaterstück "Delusion Of The Fury" bei der Ruhrtriennale 2013 entstand unter anderem die riesenhafte Bambusmarimba, neben der Meixner hier steht. Wie Anfänger müssen dann professionelle Musikerinnen und Musiker das Spielen der Unikate erst einmal lernen.

Ob Steel Drums, Ukulele oder Bambusmarimba: Aus den Werkstätten der nordrhein-westfälischen Instrumentenbauer kommen exotischere Klänge als erwartet. Olaf Karnik und Volker Zander waren vor Ort – zu hören in WDR 5 Scala vom 26. bis 30. August.

Stand: 27.08.2019, 12:00 Uhr