Chinas Vergeltungszölle auf US-Produkte

Symbolbild zum drohenden Handelskrieg zwischen China und den USA

Chinas Vergeltungszölle auf US-Produkte

China erhebt seit gestern Extra-Zölle auf 128 verschiedene Produkte aus den USA im Umfang von rund drei Milliarden Dollar. Damit reagiert Chinas Führung auf die von den USA verhängten Import-Zölle auf Stahl und Aluminium. Steffen Wurzel kommentiert.

"Ein Handelskrieg schadet allen Seiten." Wenn es einen Beleg gibt für diesen in den vergangenen Wochen oft gehörten Spruch, dann ist es der Aktienkurs des chinesischen Unternehmens WH Group. Die Aktien dieser in Hongkong gelisteten Firma haben in den vergangenen zwei Wochen rund 14 Prozent ihres Wertes verloren, denn zur WH-Group gehört seit einigen Jahren auch das US-Unternehmen Smithfield, das ist der größte Schweinefleischkonzern der Vereinigten Staaten.

Mit ihren Vergeltungszöllen auf amerikanisches Schweinefleisch schadet die chinesische Staats- und Parteiführung also nicht nur den Landwirten und mutmaßlichen Trump-Wählern in Kentucky und Iowa sondern auch den WH Group-Aktionären in Hongkong und Shanghai. Ein klassischer handelspolitischer Bumerang und von dieser Sorte werden wir vermutlich noch mehr erleben in den kommenden Wochen. Denn fast immer ist es so, dass Zölle der einen auf Produkte der anderen Seite beidseitige Folgen nach sich ziehen

Chinas Vergeltungszölle: Schnitt ins eigene Fleisch

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 03.04.2018 | 03:21 Min.

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Der kalifornische IT-Konzern Apple wäre noch so ein Beispiel. Jedes iPhone auf dieser Welt ist „Made in China“. China hat Apple also in der Hand. Würde es die Führung in Peking Apple auch nur minimal schwieriger machen in China zu produzieren, durch neue Umweltschutzauflagen oder verschärfte arbeitsrechtliche Regeln etwa, könnte das Unternehmen kurzfristig nichts dagegen tun sondern wäre angeschmiert.

Auch hier zeigt sich, Handelskriege haben Konsequenzen, die vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar sind aber beim genaueren Hinsehen eben doch in alle Auswirkungen haben. Deswegen tut China verständlicherweise auch seit Wochen alles, um eine Eskalation des Konfliktes mit den USA zu verhindern. Die staatlich kontrollierten Medien poltern zwar lautstark gegen die amerikanische Wirtschaftspolitik, doch unterm Strich sind die chinesischen Reaktionen auf die trumpschen Zölle relativ milde.

Das hat auch damit zu tun, dass hinter den Kulissen wohl noch weiter verhandelt wird zwischen beiden Seiten. Die vor einigen Tagen in Kraft getretenen US-Zölle auf Aluminium und Stahl sind für China wirtschaftlich fast unbedeutend. Auf der Liste der wichtigsten Stahl-Importeure in Amerika steht China nur auf Rang elf, weit hinter zum Beispiel Mexiko der Türkei und Deutschland. Deswegen bekommt Chinas Exportwirtschaft bisher die neuen US-Zölle kaum zu spüren.

Interessanter wird es Ende der Woche, dann präsentieren die Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump eine Liste mit chinesischen Waren, die im großen Stil in die Vereinigten Staaten geliefert werden. Smartphones oder auch Kühlschränke und Klimaanlagen zum Beispiel. Strafzölle darauf wird China richtig verärgern, entsprechend wird die Führung in Peking dann auch zusätzliche Register ziehen. So könnten etwa amerikanische Sojabohnen in China durch Zölle verteuert werden. Lieferanten aus Brasilien oder Argentinien würden einspringen und profitieren. Auch könnte Chinas Führung die Fluglinien des Landes anweisen künftig Boeing zu boykottieren, auch das würde Arbeitsplätze in den USA kosten. All das ist der Beleg, dass der viel zitierte Spruch auch wirklich stimmt: "Ein Handelskrieg schadet immer allen Seiten."

Redaktion: Lars Krupp

Stand: 02.04.2018, 17:33