NRW startet erste Dunkelfeldstudie

NRW startet erste Dunkelfeldstudie

Die Landesregierung hat eine Dunkelfeldstudie über Gewalt an Mädchen, Frauen, Jungen und Männern auf den Weg gebracht. "Ergebnisse müssten dann auch Folgen haben", fordert Bettina Altenkamp in ihrem Kommentar.

Ein Mann greift nach einer Frau, von beiden sind nur Schatten zu sehen

Begrapscht, belästigt oder Schlimmeres. Teilweise aus Scham, teilweise aus Angst oder Hilflosigkeit oder einer Mischung aus allem werden solche Taten nicht angezeigt. Meistens sind es Frauen oder Mädchen, die dann mit dem Erlebten allein klar kommen müssen - und es vermutlich nie ganz können. Und die Täter? Bleiben unbehelligt: wo kein Kläger, da kein Richter. Es ist richtig, dass die Landesregierung Licht ins Dunkel bringen will. Herausfinden will, wie groß das Dunkelfeld der nicht angezeigten Gewalterfahrungen ist. Allein die bekannten Zahlen der angezeigten Taten - müssen die Alarmglocken schrillen lassen. Im vergangenen Jahr gab es in NRW 38.000 Fälle von Partnerschaftsgewalt. Angefangen bei Mord und Totschlag, über Vergewaltigung, Nötigung, Bedrohung bis hin zu psychischer Gewalt. Das vermutete Dunkelfeld ist um einiges größer - und damit die Zahl der Opfer, aber auch die Zahl derjenigen, die ungestraft über lange Zeit hauptsächlich Mädchen und Frauen drangsalieren können. In 84 Prozent der Fälle waren die Opfer weiblich - 16 Prozent der Fälle betrafen Jungen und Männer.

Die NRW Studie will auch für die Männer ausleuchten, in welchem Umfang sie erlebte Straftaten und Gewalterfahrungen nicht zur Anzeige bringen. Es soll mehr Licht geben. Klar ist aber auch - dann sieht man mehr! Wer fragt, muss auch mit den Antworten leben können und Politiker dann auch handeln. Für die Studienergebnisse im kommenden Jahr bedeutet das: Mehr Hilfs- und Unterstützungsangebote auch für Jungen und Männer - sofern die Studie da einen größeren Bedarf bescheinigt. Unbürokratische, einfache und anonyme Anzeigemöglichkeiten für Männer und Frauen, damit die Täter nicht mehr ungestraft davon kommen können. Grundsätzlich haben die zuständigen Minister diesen Aufgabenkatalog bereits im Blick - hoffentlich reicht, wenn die Ergebnisse der Studie vorliegen, dann auch das Geld zum Handeln.

Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 08.01.2019, 15:23