Pro und Contra Diesel-Nachrüstungen

Abgase kommen aus Auspuff

Pro und Contra Diesel-Nachrüstungen

Volkswagen und Daimler wollen ihren Kunden zügig Hardware-Nachrüstungen zur Verfügung stellen. Damit scheint bei den Autokonzernen ein Umdenken eingesetzt zu haben. Arndt Brunner und Frank Wörner mit einem Pro und Contra zu Diesel-Nachrüstungen.

Pro: Nachrüsten, fordert Arndt Brunner in seinem Kommentar. Denn nur dann können alle, die sich kein neues Auto leisten können oder wollen, ihren Euro-5-Diesel weiterfahren.

Es gibt nicht nur einen Weg zur sauberen Luft in unseren Innenstädten, es gibt viele. Die Nachrüstung mit SCR-Kats und AdBlue-Tanks sollte einer davon sein. Nur wenn alle Alternativen ergriffen werden, lassen sich Fahrverbote vielleicht noch verhindern. Natürlich können nicht alle Euro-5-Diesel umgerüstet werden, zum Beispiel weil nicht genug Platz unter dem Auto ist. Viele Modelle könnten aber. Und die Technologie ist auch da. Namhafte Autozulieferer, die schon seit Jahren beweisen, dass sie das Thema Abgasentgiftung im Griff haben, haben technische Lösung entwickelt. Sie müssen jetzt schnell und ohne bürokratische Verzögerung zugelassen werden. Damit all` jene, die kein Geld für ein neues Auto haben, ihre Euro-5-Diesel behalten können.

Das ist auch ökologisch und ökonomisch sinnvoll. Viele dieser Autos sind gerade mal drei oder vier Jahre alt. Wenn ihre Eigentümer sie jetzt verkaufen würden, auch an umtauschwillige Händler, würden sie wenig dafür bekommen. Die Preise für gebrauchte Diesel sind dank der tricksenden Hersteller sehr niedrig. Die Hersteller die Nachrüstung zahlen zu lassen, ist somit absolut gerechtfertigt. Und es muss so viel öffentlicher und politischer Druck auf sie ausgeübt werden, dass sie sich nicht mehr wegducken können. Auf alle, auch auf die ausländischen Hersteller. Einige ihrer Modelle zählen zu den übelsten Stickoxid-Schleudern. Eine Nachrüstung wird die Hersteller viel Geld kosten und sie werden nicht wie bei der Umtauschaktion noch eine kleinen Gewinn pro neu verkauftem Auto machen. Sie werden nur zahlen und das ist wichtig. Nur wenn das Unterlaufen von Standards im Gesundheits- und Umweltschutz teuer wird, wenn es sich deutlich in den Bilanzen niederschlägt, dann werden Manager - gedrängt von ihren Aktionären - so etwas künftig verhindern.   

Pro: Nachrüsten, und die Konzerne zur Kasse bitten

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 20.11.2018 | 01:54 Min.

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Contra: Für Frank Wörner ist die Nachrüstung von alten Dieselfahrzeugen vor allem teuer, aufwendig und verursacht neue technische Probleme.

Alten Kat rausnehmen, neuen einbauen - fertig ist der saubere Diesel: Ungefähr so stellen sich die meisten vermutlich die Hardware-Nachrüstung vor. Wenn es so einfach wäre: Ich wäre ein großer Fan davon. Es ist aber leider wesentlich komplizierter - und deshalb in den meisten Fällen unbrauchbar. In der Tat wird zwar ein zusätzlicher Katalysator in den Auspuff eingebaut. Er kann die Stickoxide aber nicht alleine abbauen, sondern braucht Ammoniak. Das wird meist aus einer Harnstofflösung gewonnen, die an Tankstellen als "AdBlue" verkauft wird. Da fängt das Problem an: Irgendwo muss der Tank für das AdBlue hin. Das kann der Platz sein, der für das Reserverad vorgesehen ist. Oder eine andere Stelle im Kofferraum. Auf jeden Fall geht Platz verloren - und zwar nicht wenig. Das nächste Problem: Ammoniak ist ein giftiges Gas. Wenn das Nachrüst-System zu viel davon einsetzt, kommt es auch aus dem Auspuff - also: in die Atemluft. Das muss auf jeden Fall verhindert werden.

Deshalb müssen die Behörden die Systeme streng prüfen, bevor sie sie genehmigen. Das kostet Zeit. Unter anderem deshalb sind die Systeme wahrscheinlich auch erst 2020 in großem Stil verfügbar - deutlich nachdem die ersten Fahrverbote in Kraft sind. Mit anderen Worten: zu spät! Und dann ist da noch die Wirkung. Erste Langzeit-Tests deuten darauf hin, dass die Systeme im "echten" Stadtverkehr den Stickoxid-Ausstoß nur um grob 50 Prozent senken. Ich finde: Das ist viel zu wenig! Zumal so eine Nachrüstung ja auch einige tausend Euro verschlingt. In der Theorie ist die Idee gut, ältere Autos mit neuen Filtern "sauberer" zu machen. In der Praxis produziert sie vor allem Kosten - und neue Probleme. Für mich ist die Hardware-Nachrüstung von Diesel-Autos deswegen leider: Durchgefallen!

Contra: Nachrüstung fällt im Praxis-Test durch

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 20.11.2018 | 01:48 Min.

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Redaktion: Stefan Pößl

Stand: 19.11.2018, 17:16