CSU auf verlorenem Posten?

CSU auf verlorenem Posten?

Alle für die CSU. Im Wahlkampfendspurt setzt die CSU wieder auf Geschlossenheit

Fünf Wochen sind es noch bis zur Wahl und die Stimmung bei der CSU muss gefühlt wie in der zweiten Halbzeit des WM Spiels Deutschland gegen Südkorea sein. Der Politikweltmeister CSU läuft dem bitter nötigen Treffer hinterher und auf dem Platz ahnen alle, dass es nicht mehr zu schaffen ist.

 

CSU auf verlorenem Posten?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 11.09.2018 | 02:44 Min.

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Nun ist ein Wahlkampf kein Fußballspiel und anders als die Nationalmannschaft hat die CSU schon noch eine Chance. Wenn es stimmt, dass sich 50 Prozent der Wähler und Wählerinnen erst kurz vor der Wahl entscheiden, gibt es viel Luft nach oben. Bis dahin wollen Horst Seehofer als Parteichef und Markus Söder als Ministerpräsidentenkandidat wieder Doppelpassspiel üben und auf den Platz bringen, denn in den letzten Wochen war vom versprochenen Doppelpass wenig zu sehen. 

Seehofer und Söder müssen wieder Doppelpass spielen

Statt sich die Bälle zuzuspielen haben Seehofer und Söder doch zu sehr auf den eigenen Abschluss geachtet und damit auch allen Anhängern demonstriert, dass es einfach nicht läuft zwischen den beiden. Jetzt haben Seehofer und Söder anscheinend verinnerlicht, dass es so nicht weitergehen kann und dass bei einem Absturz bei der Landtagswahl mehr auf dem Spiel steht als zwei Politikerkarrieren.

Bei der Wahl geht es auch um "Bavarian way of life" à la CSU 

Wenn die CSU nicht die Kurve kriegt, steht der Nimbus der CSU als die Partei auf dem Spiel, die wie keine andere für den "Bavarian way of life" steht. Doch um den zu erhalten, braucht es auch eine harte und keine verdruckste Auseinandersetzung mit der AfD. Wer meint, mit der Wahl der AfD könne man ja mal ohne große Konsequenzen seinen Protest ausdrücken ist naiv. Die Partei ist schon längst keine Protestpartei mehr, sondern marschiert mit geschlossen Reihen geradewegs zurück in die nationalistische Vergangenheit. Dass dies jetzt Markus Söder im Wahlkampf benennt ist richtig. Die CSU hat sich viel zu lange um eine klare Aussage zur AfD herumgemogelt.

CSU hat noch ein Mobilisierungsproblem

Die Aufgabe der nächsten Wochen ist es aber auch die eigenen Anhänger zu mobilisieren, denn nicht wenige  haben sich offenbar schon mit einer Koalition abgefunden. Tatsächlich muss eine Koalition nicht den Untergang der CSU bedeuten. Schwarz-grün, worüber viel spekuliert wird, könnte dem Land sogar neue Impulse geben. Stichwort: Weniger Flächenverbrauch, nachhaltigere Landwirtschaft. Ob eine Koalition nötig ist und mit wem, wird sich frühestens erst am Wahlabend zeigen. 

Es kommt auf Seehofer und Söder an und die wollen trotz schlechter Umfragewerte auf Sieg spielen und dafür, dass die CSU weiter selbstbestimmt die Geschicke Bayerns lenken kann. Für eine Aufholjagd in der zweiten Halbzeit ist das zumindest keine schlechte Ausgangslage und vielleicht klappt’s ja auch mit dem Doppelpass.

Redaktion: Golo Schmidt

Stand: 10.09.2018, 16:53