Wohlüberlegter Auftritt

Rainer Schaller, Inhaber des Loveparade-Veranstalters Lopavent, im Gespräch mit seinem Anwalt

Wohlüberlegter Auftritt

Drei Tage lang hat Rainer Schaller, Chef des Loveparade-Veranstalters Lopavent, als Zeuge in Düsseldorf ausgesagt. Doch Fragen zum Unglück sei er konsequent ausgewichen, kommentiert Doro Blome-Müller.

Rainer Schaller hatte vor Beginn seiner Vernehmung angekündigt, mit seiner Aussage zur Aufklärung des Unglücks beitragen zu wollen. Das hat er nach meinem Dafürhalten nicht getan. Wobei ihm dies nicht vorzuwerfen ist. Denn es ging bei der Befragung des Zeugen Schaller gar nicht primär um die Aufklärung des Unglücks, sondern darum, wer bei Lopavent welche Verantwortung für die Veranstaltung hatte.

Was wir zu sehen und hören bekamen, war ein wohlüberlegter Auftritt. Wortreich, detailliert und durchaus konkret erklärte Schaller am Dienstagmorgen, wie er die Loveparade als Marketing-Instrument für seine Fitness-Kette kaufte und welche Probleme es bei den Paraden in Berlin gegeben hatte.

Wohlüberlegter Auftritt im Loveparade-Prozess

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 25.05.2018 | 02:07 Min.

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Je weiter es dann Richtung Unglück ging, umso mehr wich er aus. Statt auf die Fragen zu antworten, lavierte er sich durch Allgemeinplätze, ließ – quasi im Vorbeigehen – ein kleines Bömbchen fallen, indem er einen der Angeklagten, einen ehemaligen Mitarbeiter, der Urkundenfälschung bezichtigte. Das aber – kalkuliert? – Indirekt – „man habe ihm das erzählt." "Wer hat Ihnen das erzählt?" "Das weiß ich nicht genau." "Ich kenne das nicht, ich habe den Vertrag allenfalls überflogen, ich war nicht dabei, ich habe das nicht entschieden, ich weiß es nicht." So beantwortete Schaller meist die Fragen, die Richter, Nebenkläger und Verteidiger stellten. Und diese Antworten kamen selten direkt. „Sie haben wieder nicht auf meine Frage geantwortet“, stellte die Anwältin des genannten Mitarbeiters zunehmend sarkastisch immer wieder fest.

Was hat nun die Vernehmung von Rainer Schaller für den Strafprozess Loveparade gebracht? Wenig, würde ich sagen, bestenfalls war sie dazu geeignet, die Vorwürfe gegen den ein oder anderen Angeklagten abzuschwächen oder zu stützen – je nach Interpretation der wenig konkreten Aussagen. Aber dieser Prozess ist eben auch viel mehr als ein reiner Strafprozess – er ist auch die von den Betroffenen lang ersehnte Aufarbeitung des Unglücks. Ob Schaller wenigstens in diesem Zusammenhang die Fragen beantwortet hat? Ich weiß es nicht – ich würde sagen: nein.

Redaktion: Gertrud Sterzl

Stand: 24.05.2018, 17:40