Ein Mann steht vor einem Kühlzelt mit Pilzen. Er trägt ein Haarnetz und lächelt.

Lions Mane und Shiitake: Aachener baut Pilze im Hinterhof an

Städteregion Aachen | Landwirtschaft

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Die vielleicht kleinste Farm der Stadt: Andreas von Könemann baut in Aachen, mitten in der Stadt, exotische Pilze an. Er verkauft sie in der ganzen Stadt und träumt davon, das Projekt einmal wesentlich größer zu machen. Wie aus einem Hinterhof eine Pilzfarm wurde.

Von Carla Behnke

Nebelschwaden wabern Andreas von Könemann entgegen, als er den Reißverschluss des von außen unscheinbaren, grauen Zeltes öffnet. Auf drei Metallregalen stehen darin beige-weiße Blöcke. Aus ihnen sprießen Pilze in allen Farben: gelb, weiß, hellrosa und braun. Von Kräuterseitlingen und Shiitake bis zu Lions Mane gibt es hier alles. Außer Champignons: "Ich will halt nicht so einen gewöhnlichen Champignon anbauen, den man an jeder Ecke bekommt. Der hängt mir persönlich auch zum Hals raus."

In einer winzigen Fabrikhalle, versteckt in einem Hinterhof mitten in Aachen, hat von Könemann sich seine Pilzfarm "Omyko" aufgebaut. Jeden Quadratzentimeter freie Fläche nutzt er hier drinnen aus, mit zwei grauen Anbauzelten, zwei Kühlschränken und grünen Plastikkisten, die sich bis unter das Dach stapeln.

Pilze aus dem Hinterzimmer: Aachens wohl kleinste Farm

Lokalzeit aus Aachen 19.02.2026 02:32 Min. Verfügbar bis 19.02.2028 WDR Von Carla Maria Elisabeth Behnke

Mit der Unterbringung in der Aachener Innenstadt folgt von Könemann einem Trend, in den vor allem in den 2010ern viel Hoffnung gesetzt wurde: Urban Farming oder urbane Landwirtschaft. Insbesondere im stark besiedelten Ruhrgebiet wird auf kleinstem Raum angebaut, oft durch vertikale Systeme. Dadurch sollten nicht nur Flächen besser genutzt werden, sondern auch kürzere Wege für die Lebensmittel entstehen. Wie stark sich das durchgesetzt hat, lässt sich schwer messen - zumal die Grenzen zu Hobby- oder Mitmach-Projekten wie kommunalen Gärten manchmal fließend sind.

Perfektes Klima und der ständige Kampf gegen Schimmel

Der erfolgreiche Anbau von Pilzen im Zelt ist eine Herausforderung für von Könemann. Das Klima muss streng kontrolliert werden. Der Idealzustand ist für jede seiner elf Pilzsorten etwas anders, aber bei einer Temperatur von 16 Grad, einer Luftfeuchtigkeit von knapp 90 Prozent und möglichst viel Frischluft sind alle glücklich.

Die Systeme, um dieses Klima herzustellen, hat er zum größten Teil mit einem Freund selbst gebaut. Die Feuchtigkeit kommt aus einem gelochten Plastikrohr an der Zeltdecke, geliefert von einem selbstgebauten Verdampfer in einer blauen Regentonne. Der absolute Erzfeind ist der Schimmel. Der ist schließlich am Ende des Tages auch ein Pilz und fühlt sich in derselben Umgebung wohl wie die anderen.

Mehrere Pilzsorten befinden sich blöckeweise auf Metallregalen.

Exotische Pilze auf der Pilzfarm Omyko in einem Aachener Hinterhof

Um dem vorzubeugen, schmeißt von Könemann seine Substratblöcke nach einer Nutzung weg. Aktuell landen die auf dem Restmüll, aber am liebsten würde er sie als Biodünger weitergeben. Der absolute Traum wäre eine vollständige Kreislaufwirtschaft, in der er städtische Abfälle wie Sägemehl oder altes Brot nimmt, "da leckere Pilze drauf produziert" und den Dünger dann auf die Felder oder an die Schrebergärten abgibt.

Exotische Pilze auf Aachener Wochenmärkten

So langsam wird die Halle auch zu klein: "Für die Pilotphase jetzt war die super, aber ich bräuchte eigentlich drei-, vier-, fünfmal so viel Fläche." Die entsprechende Nachfrage hat er. Schließlich ist er der Einzige, der im nächsten Umkreis exotische Pilze anbietet. "Der Nächste, der in der Gegend den Lions Mane anbietet, sitzt in Köln. Und das ist ein Pilz, den muss man schnell essen, der ist nur zwei, drei Tage wirklich frisch und lecker."

Die Pilze verkauft er auf Wochenmärkten in der Stadt und donnerstags aus der Lagerhalle. Und damit man auch weiß, was man damit anstellen kann, hat er jede Woche Rezeptkarten dabei. "Aus dem Lions Mane kann man zum Beispiel ein super vegetarisches Steak machen."

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 19.02.2026, 19.30 Uhr.