Eine kleine Geschichte des Rollschuhs

Eine kleine Geschichte des Rollschuhs

Von Philip Stegers

Vor 195 Jahren ließ sich der Londoner Obsthändler Robert John Tyres die "Volitos" patentieren. Fünf hintereinander angebrachte Eisenrollen unter einem Schuh. Eine Erfindung, die bis heute für Spaß bei Jung und Alt sorgt.

Historischer Rollschuh

Auch in Deutschland fährt man im 19. Jahrhundert bereits Rollschuh. Shaler's Stubenrollschlittschuh wendet sich 1860 in einer Werbeanzeige an die sportbegeisterte Jugend: "Der abgebildete Rollschlittschuh ermöglicht es, dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens obzuliegen, wenn Unwohlsein oder Thauwetter daran verhindern, ihm in freier Luft auf dem Eise nachzugehen."

Auch in Deutschland fährt man im 19. Jahrhundert bereits Rollschuh. Shaler's Stubenrollschlittschuh wendet sich 1860 in einer Werbeanzeige an die sportbegeisterte Jugend: "Der abgebildete Rollschlittschuh ermöglicht es, dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens obzuliegen, wenn Unwohlsein oder Thauwetter daran verhindern, ihm in freier Luft auf dem Eise nachzugehen."

So hat wohl jeder das Rollschuhfahren erlernt: mit kleinen, eiernden Trippelschritten und froh um alles, was einem irgendwie Halt bietet – sei es eine Hauswand oder das Geschwisterchen.

Rollschuhlaufen lässt sich auch hervorragend mit anderen Sportarten kombinieren. Es ist unklar, warum sich das 1910 in Berlin ausgeübte Rollschuhwettrennen mit synchron geführtem Holzreifen nicht durchsetzen konnte. An der exzellent geschnittenen Trikotage mit dazugehörigem Huthelm kann es nicht gelegen haben.

Bis in 50er Jahre ist das Rollschuhlaufen eine klobige Angelegenheit. Schwere Eisenrollen und an die Schuhsohlen geklemmte Spannbacken schmälern das Fahrvergnügen. Erst 1956 führt die Remscheider Firma Hudora leichtere Gummirollen ein, die bald durch Kunststoff ersetzt werden.

In den 70er Jahren eröffnen immer mehr Roller Discos. Um das Unfallrisiko zu minimieren, müssen die Besucher meist in eine Richtung im Kreis fahren, während die versierteren Rolltänzer auf einer Freifläche ihre Tricks zeigen.

1979 macht die weltweite Roller Skate-Begeisterung auch vor harten Männern nicht Halt. Die Heavy Metal-Pioniere von "Judas Priest" drehen ein paar Runden im New Yorker Central Park. Es hat sich ein vor den Rollen angebrachter Stopper etabliert, der zwar nicht zum Bremsen taugt, mit dem aber prima Schwung holen kann.

Ganz Kühne wagen sich in diesen Tagen in die Halfpipe, die sonst den Skateboardfahrern vorbehalten ist. Wer ohne Schoner fährt, lernt schnell: Ein Sturz auf die Knie und die neue Cordhose ist hin.

Auch im Film werden gerne Rollschuhe getragen. Am bekanntesten ist vielleicht Charlie Chaplins erstaunlicher leichtfüßiger Auftritt in einem Kaufhaus in "Moderne Zeiten" aus dem Jahr 1936.

1988 feiert das Rollschuh-Musical "Starlight Express" seine Deutschlandpremiere in Bochum. Bis heute läuft die unterhaltsame Geschichte vom Wettstreit der Lokomotiven im eigens dafür gebauten Theater.

Als letzter Trend kam in den 90er Jahren das Inline-Skaten auf. Die Rollen sind wieder hintereinander angebracht, wie einst vom Erfinder Robert John Tyres erdacht.

Stand: 20.04.2018, 16:42 Uhr