Stephan Hanns Recyclingmode in Bocholt

Stephan Hanns Recyclingmode in Bocholt

Von Thomas Köster

Kleider aus Briefmarken, Tetrapaks oder Champagnerkorken: Der Berliner Künstler Stephan Hann macht aus dem, was andere wegwerfen, Mode. Im Textilwerk Bocholt sind seine Werke jetzt zu sehen.

Fashion Material. Stephan Hann, Textilwerk Bocholt 2019 (Ausstellungsansicht)

Upcycling, Recycling, Nachhaltigkeit, "Zero Waste". Es gibt viele moderne Schlagworte, unter die man das fassen könnte, was Stephan Hann seit den 1980er Jahren macht. Hier steht er in der historischen Spinnerei des Textilwerks Bocholt, die hin und wieder immer noch in Betrieb ist.

Upcycling, Recycling, Nachhaltigkeit, "Zero Waste". Es gibt viele moderne Schlagworte, unter die man das fassen könnte, was Stephan Hann seit den 1980er Jahren macht. Hier steht er in der historischen Spinnerei des Textilwerks Bocholt, die hin und wieder immer noch in Betrieb ist.

Hann hat eine Herrenmaßschneiderlehre an der Deutschen Oper Berlin absolviert und anschließend Szenografie und Mode an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert. Für seine Mode braucht er weder Garn noch Wolle: Ihm genügen Telefonbuchseiten, Zeitungsausschnitte oder Filmrollen.

"Fashion Material" heißt die Schau, die rund 60 Objekte von Stephan Hann in einer ausstellungsarchitektonisch beeindruckenden Art und Weise präsentiert.

Längst haben die Anzüge, Kleider und Kostüme Hanns für Furore gesorgt: Verschiedene Luxus-Labels bestellten Kollektionen für ihre Flag Ship Stores.

Dabei haben Hanns Kreationen durchaus auch konsumkritisches Potential.

Es geht um Mode als zweite Haut, um den Repräsentationscharakter von Stoffen und Materialien, aber auch um die Produktionsverhältnisse der Modeindustrie, die als eine der dreckigsten der Welt gilt. Und um Schönheit geht es auch.

Der Aspekt von Kleidung als kulturelles Kommunikationsmittel spielt dabei auch eine Rolle. Und das in teils durchaus ironischer Art und Weise. Hier etwa dienten Unmengen an Briefmarken als Material: Im Zeitalter von WhatsApp Relikte einer bunten, inzwischen fast verlorenen Welt.

Darüber hinaus reflektieren die Werke Hanns auch Aspekte aus der Geschichte der Mode - weshalb ihnen in kleinen Nebenräumen unter anderem Entwürfe von Modestudenten der Hochschule Hannover und von Modeikone Vivienne Westwood gegenübergestellt werden.

Und überaus elegant und tragbar wirken die meisten Kleider auch noch. Wenn auch nicht alle.

In Bocholt sind auch jene Objekte zu sehen, die normalerweise Hanns Atelier in Berlin schmücken - und die bis kurz vor Beginn der Schau immer wieder umgehängt worden sind. In Petersburger Hängung zeugt sie von der Sammelleidenschaft des Künstlers. Und von seinem Vermögen, scheinbar Unvereinbares zusammenzubringen.

Überhaupt ist Privates und Persönliches immer auch Teil von Hanns Kreativität. Davon zeugen nicht zuletzt die Titel vieler seiner Arbeiten, aber auch krative Einblicke in sein eigenes Familienalbum.

Apropos "Erinnerung": Das historische Ambiente des Textilwerks in Bocholt passt perfekt zu Hanns Kunst. Das Kesselhaus, die Webhalle und die Zeugnisse vegangener Zeiten der Textilproduktion ergänzen perfekt Hanns Interpretationen von Mode. Dieses ungewöhnliche Ambiente allein lohnt den Besuch.

"Stephan Hann. Fashion Material" ist noch bis zum 6. Oktober 2019 im TextilWerk Bocholt zu sehen.

Stand: 24.05.2019, 09:00 Uhr