Literarisches Werk oder Gebrauchsanweisung?

"Mensch ärgere dich nicht"-Spielbrett mit bunten Spielfiguren.

Literarisches Werk oder Gebrauchsanweisung?

  • Analoge Spielebranche: Brettspiele sind Kulturgut
  • Spieleautoren: "Schreiben mehr als nur Gebrauchsanweisung"
  • Zunft fordert ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent

Im August 2017 eröffnete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Köln zum ersten Mal die Computerspielemesse Gamescom. Dabei fand sie lobende Worte über die Computerspielebranche, wie wichtig sie für den Standort Deutschland sei, dass Games mittlerweile einen hohen kulturellen und künstlerischen Stellenwert haben.

Auf der am Mittwoch (31.01.2018) in Nürnberg gestarteten Spielwarenmesse hallen diese Worte nach, denn Merkel sprach ja nicht nur von Innovation und Wachstum, sondern vom Computerspiel als Kulturgut. Der Deutsche Kulturrat ist seit etwa zehn Jahren dieser Meinung. Die klassischen Spieleverlage und die Autoren von Brettspielen wollen diese Anerkennung nun endlich auch für ihre Branche.

Zum einen fordern sie die Aufnahme von Gesellschaftsspielen in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek. Das unterstützt der Deutsche Kulturrat ebenfalls - er betrachtet analoge Spiele als Kulturgut mit einer hohen gesellschaftlichen Bedeutung. Der Kulturrat sagt, die Spielregeln seien der geistige Kern eines nicht-digitalen Spiels. Diese seien Büchern und vergleichbaren Publikationen gleichzustellen.

Verhältnis von Autoren und Verlegern

Damit will die Zunft der Spieleautoren (SAZ) auch ihre Position gegenüber den Spieleverlagen verbessern, denn die Verleger stellen gerne in Frage, ob so eine Spielanleitung überhaupt ein literarisches Werk ist und eigenständig betrachtet werden sollte - und nicht vielmehr als Gebrauchsanweisung.

Autoren und Verleger aber sehen in Gesellschaftsspielen ein schützenswertes Kulturgut mit hoher gesellschaftlicher Bedeutung, deshalb müsse der Zugang erleichtert werden. Eine Forderung ist auch die umsatzsteuerliche Gleichstellung von Spielen mit anderen Kulturgütern. Der Antrag auf einen ermäßigten Steuersatz von sieben Prozent statt 19 wird jetzt intern beim Deutschen Kulturrat bewertet.

Nach einem WDR-5-Hörfunk-Beitrag von Frank Zirpins. Der Beitrag zum Nachhören:

Sind Spiele ein Kulturgut?

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 31.01.2018 | 05:07 Min.

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Stand: 31.01.2018, 14:59