COP23: Theater Bonn provoziert mit Yes Men

Yes Men

COP23: Theater Bonn provoziert mit Yes Men

In Bonn findet von 6. bis 17. November die Weltklimakonferenz statt - und auch das Theater Bonn mischt mit. "Save the world" heißt das Polit-Festival, in dessen Rahmen erstmals die Guerillakünstler Yes Men in Deutschland auftreten.

WDR 3: "Save the world" ist ein sehr großer, pathetischer Titel. Haben Sie tatsächlich den Anspruch, mit dem Festival zumindest ein bisschen die Welt zu retten?

Nicola Bramkamp ist die Leiterin des Theaters in Bonn.

Schauspieldirektorin Nicola Bramkamp

Nicola Bramkamp: Wir Theaterleute sind ja Träumer und Idealisten. Und da an "Save the world" auch viele Experten und Wissenschaftler beteiligt sind, und die genauso Besessene sind wie wir, steckt dahinter, augenzwinkernd, der Gedanke, unsere Welt ein bisschen besser zu machen - beziehungsweise dazu beizutragen, dass der Klimawandel und die globalen Problemen nicht ausufern.

Wir glauben mit vollstem Herzen daran, dass man das schaffen kann, wenn man Wissenschaft und Kunst zusammen bringt und die Menschen für Themen begeistert, die erst einmal nicht so leicht zu kommunizieren sind. Denn der Klimawandel beinhaltet ja traurige, komplexe Botschaften.

WDR 3: Im Rahmen von "Save the world" sind die amerikanischen Polit-Aktivisten Yes Men bereits aufgetreten und haben im Vorfeld der Klimakonferenz eine Expertenveranstaltung gesprengt. Was ist dort passiert?

Nicola Bramkamp: Die Yes Men haben auf einer Konferenz des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik sozusagen die Klimapolitik der Trump-Administration ad Absurdum geführt. Dort waren lauter Klimaexperten, und denen haben die Yes Men ein neues Startup präsentiert, das angeblich von der Trump-Administration finanziert wird.

Sie haben als offizielle Vertreter der Trump-Administration eine Firma vorgestellt, die Flüchtlinge auf Fahrrädern nachhaltigen Ökostrom produzieren lässt – für 1,60 Euro die Stunde.

Das hat für große Diskussionen gesorgt. Den Leuten ist erstmal die Kinnlade herunter gefallen. Es gab einige, die total empört waren. Aber irgendwann haben die meisten begriffen, dass irgend etwas nicht stimmt. Ein Großteil im Pubikum war danach sehr begeistert. Denn die Wissenschaft hat zwar alle wichtigen Zahlen und Fakten zum Klimawandel, aber die Informationen werden oftmals so dröge vorgetragen, dass das für wenig Aktionismus sorgt.

Die Yes Men haben gezeigt, wie man die Leute erreichen kann – mit dem Mittel des politisch Unkorrekten und der Provokation. Das Ergebnis stellen wir nun in verschiedenen Diskussionsrunden vor. Am Samstag (11.11.2017) wird es in Bonn eine Lecture Perfomance mit den Yes Men geben – mit dem Titel "Beautiful trouble inspiring interventions". Mit der Aktion wollen die beiden deutlich machen, dass man den Klimawandel nicht mit privatwirtschaftlichen Interessen lösen kann.

WDR 3: Darüber hinaus kann man im Rahmen von "Save the world" mitten in der Bonner Innenstadt durch einen politischen Schilderwald spazieren. Was steckt dahinter?

Installation "Silent Demonstration"

Politischer Schilderwald in Bonn

Nicola Bramkamp: Es geht uns vor allem darum, kreative Protestformen zu zeigen – also etwas anderes als das, was man beim G20-Gipfel erleben konnte. Das britische Künstlerkollektiv "Stan's Café" hat dafür eine Installation geschaffen, die aus ganz vielen verschiedenen Protestschildern besteht. Sie zeigen die Kultur der Protestbewegung aus den letzten 100 Jahren.

Dieser Schilderwald ist in der Rheinaue aufgebaut. Daran spazieren die Bonner Bürger und auch die Delegierten der Konferenz vorbei. Das Ganze nennt sich "Silent Demonstration". Vor Ort kann man sich dazu eine App herunterladen, die einem den jeweiligen Kontext erkärt – man erfährt, in welchem Zusammenhang das jeweilige Protestschild eingesetzt wurde. Das Ganze ist unglaublich ästhetisch anzusehen, zeigt aber gleichzeitig das große gesellschaftliche Engagement der Menschen. Bis zum 17. November ist die Installation noch zu sehen.

WDR 3: Wird denn die Theaterwelt durch Festivals wie "Save the world" insgesamt zunehmend nachhaltiger, oder ist es eher schwierig, die Künstler für das Thema zu begeistern?

Bonner Klimagipfel: klare Kante gegen Trump

Bonner Klimagipfel: Die Zeltstädte sind 55.000 qm groß

Nicola Bramkamp: Die Künstlerinnen und Künstler fangen an, sich immer mehr damit zu beschäftigen. Denn Klimawandel ist ja im Grunde auch eine riesengroße kreative Aufgabe. Wenn man da zum Beispiel an die Aufgabe der Architekten denkt, die unsere Städte klimaneutral und damit im Grunde neu gestalten sollen. So etwas kann viele positive Energien freisetzen.

Oder wenn man an unsere über 600 Kinder denkt, die durch den Eröffnungssong für die Klimakonferenz, "I am an island" , geschrieben von Bernadette La Hengst, jetzt als kleine Klimabotschafter unterwegs sind und so für dieses Thema nachhaltig sensibilisiert wurden. Aber kulturpolitisch gesehen gibt es eine große Rückbesinnung auf das Konservative.

Da muss man sich als Theater oftmals rechtfertigen, und sich fragen lassen, warum man die Bühne verlässt und nicht einfach ein Theaterstück im Haus aufführt. Ich persänlich bin mir aber sicher, dass man die neue Theater-Generation genau über solche Aktionen erreicht.

Das Gespräch führte Nina Giaramita für WDR 3.

Stand: 07.11.2017, 15:38